Sonntag, 12. April 2015

Huhn oder Ei


Ich komme soeben von meinem Hühner-Kontrollgang zurück. Jeden Abend kontrollieren wir vor dem Zubettgehen den automatischen Schieber, ob er auch wirklich geschlossen ist. Einmal war er in offener Position zugefroren, einmal schloss er sich aufgrund der länger werdenden Tage im Frühling zu früh und sperrte das Hühnervolk aus.

Heute erlebte ich grosses Kino: Vorsichtig griff ich unter die gluckige Henne, welche seit rund zehn Tagen auf acht Eiern sitzt und klaubte behutsam eines hervor. Ich legte es auf die Taschenlampe, verdeckte die Ränder mit meinen Händen und starrte in diese kleine Galaxie. In der rötlich leuchtenden Ursuppe zeichnete sich ein feines Netz ab, durch welches kleine "Klümpchen" wie winzige Fahrzeuge reisten: Das Netz pulsierte.

Auf dieses Leben schauen zu können, welches sich, komplett isoliert, in diesem Hühnerei entwickelt, hat mich mehr berührt als jede Ultraschalluntersuchung während meiner Schwangerschaften. Keine Maschinen, keine Ärztin, keine Messungen und Bewertungen. Nur ein Ei, ein Huhn und ich, eine ergriffene Beobachterin.

Kommentare:

  1. Oh ja, das kenne ich. Es ist wunderbar. Und es ist sinnvoll, die Bruteier nach einer guten Woche durchzusehen, damit die Hühnerdame nicht auf einem unbefruchteten Ei sitzt, das nach 3 wöchiger Bewärmung platzen und das ganze Gelege zerstören könnte.
    Viel Glück der Hühnerlady ! LG Gitta

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  2. Oh, ich bin schon so gespannt, ob die Hausherrenhühner brüten werden! Die ersten Küken gehören dann nämlich dem Wirbelwind ;) Wobei der Zwerghahn vor ein Paar Tagen in den Wald geflogen ist und seitdem dort aus dem Gebüsch kräht und gar nicht daran denkt, zurückzukommen...
    Dennoch, ein riesengroßes Wunder, dieses heranwachsende Leben im Ei!
    Sag - eure Hühner gehen demnach freiwillig bei Einbruch der Dunkelheit in ihren Stall? Unser Hausherr muss sie immer einfangen, was sehr mühsam ist und sicherlich auch Stress für die Hühner bedeutet.
    Der Glucke viel Erfolg beim Brüten und euch viel Freude beim Bestaunen!
    Herzlichst
    Dania

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  3. Wow, das ist wirklich ergreifend. Ich finde es immer wieder unbeschreiblich, dass etwas einfach LEBT, so ganz ohne Baterie, Kabel oder sonst was. Dass Kinder EIGENE Entscheidungen treffen und nicht programmiert sind. Das mag sehr seltsam anmuten, aber ich finde das absolut fanszinierend!
    Liebe Grüße,
    Kathrin

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  4. Das hört sich nach einem wahrlich magischen Moment an!
    Deine Geschichte erinnert mich daran, wie ich mich als Kind einmal einen halben Tag im Hünerstall einschloss, um endlich zu sehen, wie es geht, das Eierlegen. Als es dann endlich geschah, war ich auch ganz ergriffen ;-)
    Liebe Grüße von Lena

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  5. magisch, und fast unheimlich in seiner dimension.

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Ich freue mich über jeden Kommentar.
Weil dann Statistik-Zahlen zu Menschen werden.
Dank dir.