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Sonntag, 26. Juli 2015

Silber wird Gold


Der kleine Räucherkasten wird mir fast schon nachgeschmissen auf dem Flohmarkt. Neugierig schreite ich zur Tat. 

Die Forellen beize ich während rund zwölf Stunden in Salzwasser. Danach gebe ich das Buchenholz-Räuchermehl (ein Blick auf die Verpackung verrät es; hier haben wir es mit einer echten Antiquität zu tun!) zusammen mit den Fischen in den Kasten. Von unten wird Hitze zugefügt, im Innern entsteht Rauch. Nach knapp einer Stunde sind die beiden Fische geräuchert.

Goldene Forellen, Bratkartoffeln, Salat und etwas Wein. Was für ein Genuss. Trotzdem. 
Unbezahlbar auch die beim Hantieren und Riechen aufsteigenden Kindheitserinnerungen.





Montag, 23. Februar 2015

Winterblues



Frau Holle hat noch einmal die Decken geschüttelt. Wir trotzen dem Winter und verwöhnen uns selbst mit frischen, warmen Hefeschnecken. (Sie schmecken wirklich phantastisch, aber ich gestehe: Es waren fünf Anläufe nötig. Der Gefährte hatte die Aussicht auf geniessbare Leckereien bereits aufgegeben. Ha!)

Ich wähle Stoffe aus. Die kleine Puppe für die Zaunkönigin soll eingekleidet werden. Zeigen kann ich mein Erstlingswerk jedoch erst, wenn auch diese Herausforderung geschafft ist, ihr müsst euch also noch ein Weilchen gedulden. Soviel Anstand muss sein, nackige Puppen in die Öffentlichkeit zerren, das geht gar nicht...



Und auch wenn es noch nicht so aussieht: Die Vögel pfeifen es von den Ästen, die Schneeglöckchen zeigen sich überall und gestern knuddelte ich kleine Lämmer (nein, nicht unsere). Der Frühling kommt bald. Voller Vorfreude räumen wir unserem Frühlings-Arrangement ein Plätzchen frei.


Donnerstag, 25. September 2014

Blaubeertage




Die Weinbauern und ihre Helfer beginnen heute zu wimmen (Trauben lesen). Da auch an unsere Hausfassade drei Weinstöcke wachsen, lasse ich mich gerne von ihrem Tun anstecken. Ein grosser Korb Trauben wird sachte geköchelt, zu Saft gepresst und anschliessend unter tatkräftiger Mithilfe zu Gelée verarbeitet.




Und das Mädchen wird mit einer Weste beschenkt, welche in ebendiesen Herbsttönen leuchtet. Bora vom Blog "Kirschkernzeit" strickte doch tatsächlich für mein Baby eine "In Threes"! Die Farbe ist perfekt für mein blauäugiges Mädchen. Sanft, aber nicht süss. Das Westchen ist warm und weich und genügend gross gestrickt, dass es uns noch lange erfreuen wird. Und das Modell ist einfach hinreissend. Boras Adaption mit der Häkelkante und die schönen Perlmuttknöpfe vervollkommnen das Ganze. Ach, ich bin so gerührt und glücklich.

Sonntag, 9. März 2014

mein Wochenende


Spuren setzen: Der Frischling entdeckt nach Kritzeleien und Spiralen die Zickzacklinie.
Theaterpremiere: Der Gefährte wird beschenkt und ich freue mich mit.
Verstrickungen: Ein kleines Supplement zum Jäckchen nimmt seinen Anfang.
Gaumenfreuden: Ulma sei Dank.

Und die Nase läuft und der Husten rasselt. Aber ob all dem Schönen lässt sich das aushalten.

Freitag, 4. Oktober 2013

Quersumme


Der Gefährte hat mich heute Abend mit meiner Geburtstags-Quersumme bekocht und das Herbstgericht auf acht Gänge verteilt. Wahnsinnig lecker war das. Und einmal mehr konnte ich am eigenen Leib erfahren, dass Liebe durch den Magen geht.

Weil wir nach genüsslichem Verputzen des ersten Ganges erschüttert feststellten, dass wir das Fotografieren desselben vergessen hatten, durfte ich mir die Wartezeiten zwischen den Gängen mit Zeichnen verkürzen. Voilà.



Montag, 23. September 2013

Sonnwendlig


Ausgewählt und per Handschlag besiegelt
Lichtfänger beblinzelt
Wintervorbereitungen getroffen
Das Geheimnis des Feuermachens weitergegeben
In weiche Wolle gegriffen
Das Schultertuch wachsen lassen
Vermicelles genossen
Das Tagwerk bestaunt
Viel gespielt
Vieles geerntet
Den Rücken gebeugt
Auf das Kommende gefreut

Von oben nach unten und von links nach rechts die Impressionen des Wochenendes.
Habt es fein.


Freitag, 26. Juli 2013

Frischer Fisch

05:55
Was einem so alles entgeht, wenn man daheim im Bett liegt... Ich geniesse jede Minute in vollen Zügen, derweil sich der Herr Papa der Ausrüstung zuwendet, der Gefährte wie ich an seinem Gerätchen herumfummelt und der Frischling noch ganz zufrieden in seinem Wagen sitzt und von alledem nicht viel versteht.

06:07
Ein zauberhafter Sonnenaufgang belohnt das frühe Aufstehen.

06:08
Petri Heil. Kindheitserinnerungen werden wach. Es ist wieder wie früher. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass die damals empfundene Langeweile genüsslicher Ruhe gewichen ist.

07:17
Kleiner Fisch bestaunt kleinen Fisch.

08:31
Die Sonne steigt schnell höher und der angenehm kühle Morgen weicht einem weiteren heissen Sommertag. Gegen 09:30 verlassen wir den Steg.

12:09
Schuppen, ausnehmen und ggf. filetieren. Fasziniert lasse ich mich in diese Verarbeitungsschritte einführen. Eine sinnliche Wahrnehmungsexplosion; die Textur der Körper, das Geräusch des Messers auf den Schuppen, der charakteristische Geruch.

12:12
Die Tiere sind unglaublich schön. Ich bin sehr angetan.

12:56
Köstlich!

14:00
Satt, müde und glücklich gebe ich mich dem matten Dämmerzustand des heissen Sommernachmittages hin. Wenn ich zu andern Zeiten über Flow, Entschleunigung und Achtsamkeit nachdenke - heute habe ich dies alles und noch mehr erlebt.



Samstag, 29. Juni 2013

Mahlwerke


Funktionieren, arbeiten, im Schwung bleiben.
Abtragen, erledigen, überstehen, was es diese Tage zu tun gilt.
Wenig denken.
Und am Schluss ob der Resultate staunen.



Montag, 29. April 2013

Löwenzahn-Honig



Das Rezept ist simpel: Löwenzahnblüten, Wasser, Zucker und Unigel.
Einkochen, abfüllen, fertig.

Vor einigen Tagen habe brav das im Internet gefundene Rezept befolgt, obwohl auf der Unigel-Packung anderes geschrieben stand. Und so kam es, wie es kommen musste: Statt zu einem festen Sirup einzudicken, blieb mein Löwenzahnzuckerwasser flüssig. Zudem störte mich die braune Farbe, welche durch den Gebrauch des vorgeschlagenen Rohrohrzucker entstanden war.


Heute schritt ich erneut zur Tat. Die Blüten waren rasch gepflückt, auch das Auszupfen der Blättchen lief mir gut von der Hand. Der Frischling "sortierte" wacker mit und belud unter anderem die Ladefläche seines Holzlasters, meine Hausschuhe und die Musikspieldose mit Löwenzahn. Zudem klemmte er sich einige der Blütenköpfe in seine Zahnzwischenräume und schnorchelte dazu genüsslich. Da hatte ich wohl beim "Vorführ-Schnuppern" etwas zuviel Theatralik walten lassen...


Danach gings ab in die Küche. Und jetzt glühen sie vor sich hin, die Gläser mit dem Löwenzahn-Gelée. Morgen gibt's eine erste Probe zum Frühstück.



Hier noch mein adaptiertes Rezept für alle Goldsüchtigen:

Ungefähr zwei Liter Löwenzahnblüten sammeln.
Blättchen auszupfen, man benötigt ca. einen Liter.
Blätter zusammen mit einem Liter Wasser aufkochen, kurz köcheln, dann abkühlen lassen.
Blättchen abseihen. Wasser wieder aufkochen und 50 Gramm Unigel hinzufügen.
Unter Rühren eine Minute köcheln lassen.
300 Gramm Feinkristallzucker hinzugeben, noch einmal kurz köcheln lassen.
Dann sofort in saubere, vorgewärmte Gläser abfüllen.
Sofort verschliessen und ca. eine Minute auf den Kopf stellen.
Danach umdrehen und ohne zu bewegen auskühlen lassen.



Samstag, 26. Januar 2013

Die Namen der Dinge


Vor einigen Tagen: Zuerst war es ein ganz gewöhnlicher Dienstag wie alle andern Wochentage. Bis zur Entscheidung des Gefährten, am Abend eine Lammkeule zuzubereiten. Zu einer Lammkeule gehören Gäste (diesmal meine Eltern), ein aufmerksam gedeckter Tisch, Rosmarinkartoffeln, Wein, zum Schluss Kaffee, selbstgebrannte Zwetschge (ein Geschenk eines Freundes) und Zigarren aus Kuba (ebenfalls ein Geschenk desselben Freundes).

Das Fleisch war wunderbar zart. Das Lamm graste noch vor wenigen Wochen auf unserem Land, es lebte ein friedliches Leben. Wie selbst angebaute Kartoffeln, selbst gepflückt Äpfel und selbst eingekochte Konfitüre isst man alle Nahrungsmittel, welche man schon "gekannt" hat, bevor sie in der Pfanne lagen, mit einer ganz besonderen Dankbarkeit und Aufmerksamkeit. Bei Fleisch gehört für mich auch ein bisschen Trauer dazu, was aber seltsamerweise den Genuss nicht schmälert.

Nun, der Abend war perfekt, das Essen üppig und der Wein gehaltvoll. Gespräche und Gedanken inspirierten mich nachhaltig. Besonders tief war wieder einmal die Erkenntnis, dass es so viel zu entdecken gibt in nächster Nähe. Wir leben seit zwei Jahren auf dem Hof und wissen immer noch nicht, welche Sorten Äpfel auf unseren elf Apfelbäumen wachsen. Wir wissen nicht, wo der Bach entspringt, dessen Gemurmel jede Nacht unseren Schlaf begleitet und wir haben keine Ahnung, wie viele Füchse und Rehe in der Dunkelheit unsern Garten durchqueren. Es gibt noch so viel zu lernen, zu erforschen und kennenzulernen auf diesem kleinen Fleckchen Erde, dass es für ein ganzes Leben reicht.

Die Dinge SIND einfach, die Berge, die Wälder, die Tiere. Sie haben keine Namen, oder nicht die, welche wir ihnen geben. Das Benennen folgt auf das Entdecken, Wahrnehmen, Kennenlernen durch den Menschen, das Benennen zeugt von Nähe. Was man benennt, sieht man, kennt man, was man kennt, wird Heimat.

So will ich also die Worte meiner Welt finden und damit überhaupt erst das Sehen und Erkennen lernen. Hausrotschwanz, Schafgarbe, Sauerampfer, Aue, Rotkehlchen, Puffer, Moderhinke, Leibung und Karpaun... Das ist erst der Anfang.



Ich freue mich über jeden Kommentar.
Weil dann Statistik-Zahlen zu Menschen werden.
Dank dir.