Freitag, 14. November 2014

Kommen und Gehen


Wenn ich im Nebel unterwegs bin, lösen sich immer wieder zarte Schemen aus dem lichten Grau, um als 
Bäume, Zäune, Sträucher 
vor mir aufzutauchen und Gestalt anzunehmen. 
Die Welt kommt auf mich zu, offenbart sich mir.


Wenn ich anschliessend die Fotos solcher Spaziergänge betrachte, sind darauf 
Bäume, Zäune, Sträucher 
zu sehen, welche im Nebel verschwinden. 
Auf den Bildern zieht die Welt sich zurück, versteckt sich vor mir.

Sonntag, 9. November 2014

Nebelsonntag


Wie eigenartig, dass Glockengeläut gleichwohl zu hören ist.
Eine Ferne nur aus hellem Grau.
Und dazwischen, in nächster Nähe immer, herbstlicher Farbrausch.









Donnerstag, 6. November 2014

Alpha: Was will ich eigentlich?


Variante 1:
Hm, da vorne liegen Pferdeäpfel auf der Strasse. Da wird sich der Grüsel sicherlich wieder draufstürzen. Das ist einfach zu eklig. Ja, er hat sie auch schon gesehen. Bestimmt läuft ihm schon das Wasser im Mund zusammen. Wäki. "Nein, friss die nicht, du Sauniggel." Ach, nützt alles nix. Er steht einfach drauf. Ob ich ihn mal wieder entwurmen sollte?

Variante 2:
Hm, da vorne liegen Pferdeäpfel auf der Strasse. Das gibt gleich ne kleine Übungseinheit für uns. "Hey, guck mal!" Toll, wie der mich immer anguckt. So lieb. Und verfressen. Blickkontakt gibt schliesslich auch ab und zu ne Belohnung... Jetzt aber flott ausgeschritten, damit er ein bisschen Gas geben muss, weil ich ihn sonst abhänge. "Aus!" Tja, verfressen wie eh und je, aber das Kommando sitzt immer noch. Und hopp.

"Mache nicht Sitz." Ein solches Kommando kann ein Hund nicht korrekt ausführen. Kennt er den Befehl "Sitz", wird er sich sofort setzen. Aber auch wenn es ohne eindeutige Befehle zu und her geht, wird es schwierig für das Tier. Bei allem "mach das nicht" konzentrieren sich alle Gedanken auf "das", was auch den Körper beeinflusst. Bei V1 des oben genannten Beispiels heisst das: Mein Blick richtet sich auf die Pferdeäpfel, meine Schritte werden kürzer und steifer, der Nacken leicht angespannt, der Atem flacher. Die Welt besteht nur noch aus Pferdeäpfeln und der Hund kann gar nicht anders, als sich ihnen zuzuwenden. Auch wenn ich mit ihm schimpfe, wenn er das unerwünschte Verhalten zeigt, ist es für ihn schwierig, davon abzulassen, obwohl er meinen Unmut natürlich mitkriegt. Ihm fehlen jedoch die Ideen, was er stattdessen mit sich anfangen könnte. V2 zeigt eine mögliche Lösung. Ich fokussiere die erwünschte Tätigkeit (zügiges Vorbeigehen), unterstütze den Hund mit einer angenehmen Tätigkeit (guck!) welche nicht mit dem unerwünschten Verhalten vereinbar ist und reagiere notfalls noch mit einem klaren Signal (aus!), welches der Hund schon tausendmal geübt hat. Vorteil von V2 ist, dass sie viel effektiver ist und allen Beteiligten auch noch richtig Spass macht.

(Esoterische Kreise sprechen hier von Tierkommunikation. Die Tiere könnten die Bilder lesen, welche wir denken. Wenn man also denke: "Friss das nicht.", sei das Bild ein fressender Hund, und deshalb werde dem Hund nicht das gewünschte Verhalten vermittelt. Man müsse vielmehr an einen flott dahintrabenden Hund denken, dann sehe das Tier, was von ihm erwartet werde. Bilder hin oder her, egal ob der Hund in oder an unserm Kopf liest, der Effekt ist der gleiche.)

Alles ganz einfach. Und einleuchtend.

Wem der Hund fürs Ausprobieren fehlt, dem sei die Umformuliererei im Umgang mit dem Kind empfohlen. Verkneift euch also ab sofort:
"Stör mich jetzt bitte nicht." (Das "bitte" ist ja nett gemeint, aber in diesem Zusammenhang nutzlos.)
"Achtung, fall da nicht runter."
"Ui, schütte das Glas Wasser nicht aus."
"Trödle nicht so rum."
"Mach jetzt keinen Terror!"
...


Achtung: Das Ganze ist ein Zweistufen-Plan: Relativ einfach gelingt das „Halt dich fest!“ statt „Fall nicht runter.“ Bei kniffligeren Situationen, wie sie im Alltag mit Kleinkind ständig auftauchen, braucht es etwas mehr geistige Beweglichkeit. Das „Fass nichts an.“ am Postschalter mit den fiesen Schokoauslagen in Kleindkindhöhe kann man zwar durch ein „Lass das!“ oder „Hör auf damit!“ ersetzen, wenn das frohe Ausräumen losgeht (Beim Hund kommt an dieser Stelle das „Aus“, Leute wie ich verwechseln da bisweilen auch die Klienten...). Vermutlich braucht das Kind hier aber eine präzisere Ansage, was von ihm erwartet wird. Viel eleganter ist es beispielsweise, dem Kind in dieser Situation die überaus wichtige Funktion des Einfaufstaschen- oder Schirmhalters zu übertragen. Oder einen kleine „Wer-kann-länger-auf-einem-Bein-stehen-Challenge“ vom Zaun zu brechen. Oder es zu fragen, ob es den Vers für den Weihnachtsmann eigentlich noch auswendig aufsagen kann. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Meistens sind es allein schon die bewussten Gedanken, welche den Unterschied ausmachen. Wenn man sie aber ausspricht, wirken sie, gerade für Anfänger auf diesem Gebiet, stärker. Und man merkt auch schneller, wenn man mal wieder in die Falle tappt.

Es ist auch spannend, wie schwierig es einem manchmal fällt, rasch sagen zu können, welches Verhalten man denn eigentlich erwartet. Aber wenn man es nicht einmal selber richtig weiss, wie soll es denn das Kind wissen können?

Das Ganze lohnt sich übrigens nicht nur bei Hunden und Kindern, sondern auch bei Partnern und Pferden. Vielleicht auch bei Fischen. Viel Spass euch allen! Ich freue mich auf Kommentare!

P.S.: Ich habe den Wunsch nach Erziehungsratgeber-Empfehlungen zur Kenntnis genommen. Liste folgt. Irgendwann später in dieser Alpha-Reihe.

Freitag, 31. Oktober 2014

November naht


Gülden Licht und stille Nebel
Sternenglanz in Dunkelzeit.
Traurigkeit. Verbundenheit.


Montag, 27. Oktober 2014

eine Frage


Kann man sich im Kreis drehen und trotzdem vorankommen?


*Hier gibts viel zu tun. Die Tage mit den Kindern sind schön und voll. Ebenso die Tage in der Schule. Die Abende gehören dem Gefährten, dem Schlaf und allem Liegengebliebenem. Ich lese natürlich nach wie vor alle mir liebgewordenen Blogs, komme aber nicht zum Kommentieren und schon gar nicht zum Verfassen eigener Posts. Es werden wieder andere Zeiten kommen.

**Der Frischling trägt den Gehörschutz, während ich staubsauge. Das Ungetüm ist ihm sonst zu laut. Ich war gerade haushälterisch tätig, bevor ich zum Fotoapparat griff.

***Die Duplo-Schienen waren der erste Herzenswunsch des Frischlings. Sein Staunen, seine Freude und Begeisterung beim Auspacken des Paketes zu erleben, war unbeschreiblich. Seit längerer Zeit hörten wir mehrmals täglich: "Ich brauche richtige Schienen. Dringend." Seit er nämlich das Hörspiel kennt, spielt er "Jim Knopf". Vor allem Nepomuks Vulkan und der Kampf zwischen Lokomotive und Drache haben es ihm angetan. Ein Krokodil muss als Frau Mahlzahm (tja, er besteht auf dieses "m"!), ein Nilpferd als Nepomuk herhalten. Lokomotive und Personen sind vorhanden. Aufgezeichnete Schienen brachten nur kurze Entspannung der Lage. Jetzt ist seine Welt in Ordnung. Einziger Wermutstropfen: Die Räder befinden sich nicht auf, sondern über den Schienen. Das ist falsch. Ganz falsch. Findet er.

Freitag, 17. Oktober 2014

Lämmer


Schafe haben eine Tragzeit von 150 Tagen.
Nach 180 Tagen haben wir zu zählen aufgehört.
Der Schafbock war wohl ein Dummerchen...

Dienstag, 14. Oktober 2014

Alpha


Vor noch nicht langer Zeit haben die Welpen begonnen, die nähere Umgebung zu erkunden. Neugierig untersuchen sie alles mit ihren spitzen Zähnchen, rangeln miteinander und geniessen die warmen Sonnenstrahlen. Die Wölfin ruht derweil an einem leicht erhöhten Platz, von wo sie eine gute Sicht auf die umliegende Landschaft hat. Niemand kann sich ihren Kleinen nähern, ohne von ihr bemerkt zu werden. Sollte ihnen tatsächlich ernste Gefahr drohen, würden sie und ihr Gefährte vor einem Kampf nicht zurückschrecken. 

Die älteren Söhne und Töchter der Wölfin bilden das weitere Rudel. Sie orientieren sich ebenfalls an ihr, solange sie entspannt ruht, brauchen sie nichts zu befürchten. Während die Kleinen die Mutter noch in ihrem harmlosen, aber wilden Spiel attackieren dürfen, können sich das die älteren Geschwister nicht mehr erlauben. Die Wölfin würde derartiges Gebaren bei ihnen eindeutig und unmissverständlich unterbinden. So heftig sie aber ihre älteren Söhne und Töchter korrigiert, so gerecht ist sie auch. Nie erniedrigt sie ihre Kinder oder reitet längere Zeit auf einem Fehltritt herum. Entschuldigungen werden sofort angenommen und danach ist jeder Zwist vergessen. 

Die beiden Elterntiere bestimmen den Tagesablauf, die Ruhe- und Jagdphasen. Sie wählen die Jagdstrategie. Sie entscheiden, wann begrüsst, geflohen oder gekämpft wird. Sie teilen das Futter und die Schlafplätze zu. Die Rudelmitglieder fühlen sich sicher unter der Führung der Wölfin und ihres Gefährten und zweifeln deren Entscheidungen nicht an. Sie haben ihr ganzes bisheriges Leben erlebt, dass es sich lohnt, der Erfahrung der Eltern zu vertrauen, da diese ohne Wenn und Aber die gesamte Verantwortung für jede Entscheidung und jedes einzelne Rudelmitglied übernehmen und zuverlässig tragen.

Die Wölfin und ihr Gefährte agieren, während der Rest des Rudels auf ihre Signale reagiert. Gelassen und souverän strahlen sie Ruhe und Sicherheit aus. Sie haben sich ihren Rang nicht erkämpft. Sie halten sich nicht mit Gewalt an der Macht. 

Sie sind die Alphas des Rudels. Vor allem aber sind sie die Eltern. Und damit ist eigentlich alles gesagt.


Ich lese Juul und Hüther und Montessori und Largo und Leboyer und Pikler und Hodgkinson und und und... Ich begegne Begriffen wie "Bindungsorientierte Elternschaft", "Gleichwürdigkeit", und "Selbstwert" und vielem mehr und bin froh und dankbar, dass meine Gefühle Worte finden und mein Herz und Hirn Vordenker und Mitstreiter. So sehr ich solche Lektüre schätze, so sehr weiss ich auch, dass deren Umsetzung bisweilen ganz schön knifflig sein kann.

Und da kommt er ins Spiel: Mein kleiner domestizierter Wolf, der mich in die Kunst des Alpha- oder Elternseins eingeführt hat, lange bevor ich wirklich Mutter wurde. Der mich gezwungen hat, Verantwortung zu übernehmen, die "Jagd" anzuführen, für Sicherheit zu garantieren und die passenden Plätze zuzuweisen, damit sich alle entspannen können. Der mich gelehrt hat, meine Gedanken und Gefühle in Körper(ent)spannung, Atem und Bewegung umzusetzen und sie damit verständlich zu machen. Der mir gezeigt hat, dass es sich lohnt, Lob und Tadel und Ignorieren passend und differenziert einzusetzen. Für den grosse Ideen nichtig und allein gelungene Taten von Bedeutung sind. Mein Hund hat mich eingeführt in die Kunst des liebevollen und klaren Führens. Dafür werde ich ihm bis in alle Ewigkeit dankbar sein.

Etwas lässt mir keine Ruhe: Woher eigentlich können Wölfe Erziehungsratgeber lesen und dermassen gut umsetzen?

Ich freue mich über jeden Kommentar.
Weil dann Statistik-Zahlen zu Menschen werden.
Dank dir.