Posts mit dem Label Gestaltung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gestaltung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 23. März 2016

mit Volldampf voraus


Nach monatelangem, ja jahrelangem sporadischen, wilden Spurenhinterlassen auf Papier, welches kaum je (eine Ausnahme gab es) als gegenständlich bezeichnet werden konnte, hat uns der Frischling letzthin ohne Ankündigung mit dieser Lokomotive überrascht.


Aber so plötzlich sich solche Entwicklungsschritte zeigen, so lange haben sie sich in inneren Prozessen vorbereitet. Die Lokomotive ist nicht die einzige Gestaltwerdung der letzten Zeit. Im Stillen ist hier Schönes und Spannendes passiert. Bald komme ich hoffentlich dazu, mehr darüber zu schreiben.

Bis dahin: Auf allerorten volle Kohletender!



Donnerstag, 25. Februar 2016

Huhn und Ei



Das geschieht, wenn Walter und Schalter ein Pressebild benötigen und dafür Frau Krähe in ihre Dienste stellen.

(Nachdem ich die beiden Kinder in den Schlaf begleitet habe und dabei selber eingeschlafen bin, benötigt es einiges an Energie, nochmals auf einen leistungsfähigen Betriebsmodus zu kommen. Das Wohnzimmer wird umgebaut: Leinwand, schwarzer Stoff, Scheinwerfer. Die Herren werfen sich in Schale. Huhn und Ei werden spontan dazugeholt.)

Passt.

Dienstag, 27. Oktober 2015

Bühnenbretter


Wie immer gibt er Gas, der Gefährte.

Die legendäre Late-Night-Show WALTERUNDSCHALTER feiert bald Premiere.
Ich freue mich sehr.

Besorgt euch Karten und/oder unterstützt das Projekt und/oder erzählt es weiter.


Samstag, 26. September 2015

Herzensarbeit




Die Herstellung einer Puppe ist dermassen antiquiert, schrullig und weltfremd, dass sie bereits als Form des Widerstandes gegen das Tempo und die Werte unserer Spass- und Konsumgesellschaft gesehen werden kann. Dieses kleine bisschen heile Welt aus Schafwolle, Trikot, Mohairgehäkel und Miniaturgenähe macht mich selbst glücklich, kann ich dabei doch wunderbar vor mich hinwursteln, nicht weniger aber auch äusserst skeptisch. Sind dies reaktionäre Handlungen? Ist das eine Flucht vor den Herausforderungen dieser Tage? Augen verschliessen und nur mein Gärtchen pflegen?


Das geschieht zur Genüge. Seichte Pseudo-Achtsamkeit mit "Flow" und "Kinfolk", DIY nach stupider Anleitung, meist noch verbunden mit der Anschaffung von exklusivem Rohmaterial, Hauptsache selbstgemacht, egal wie schlecht..., Shabby Chic ohne echte Spuren von Zeit und damit ohne Ehrlichkeit, oder kunstvolle Brotdoseninhalte von Supermoms, für welche eine Mama wie ich, die bis anhin eine Brotscheibe und nen Apfelschnitz als Znüni für angemessen hielt, mindestens einen mehrwöchigen Abendkurs belegen müsste sind nur einige wenige und willkürlich zusammengetragene Felder der "neu erstarkten Biederkeit". Seid mir nicht bös', fühlt euch nicht angegriffen, ich selbst bin nicht frei von diesen "Verlockungen". Nicht zuletzt pflegt ja auch mein Blog offensichtlich eine Ästhetik und Grundstimmung, welche immer wieder gefährlich nahe an diesen Abgrund herantänzelt.




Zum Glück, zum grossen Glück ist diese Puppe aber ganz anders entstanden. Oft hatte ich beim Werkeln meine Ohren dank Radio draussen in der Welt, und meine Gedanken und mein Herz konnten reisen, lernen und Anteil nehmen. Wenn Ohnmachtsgefühle und Wut überhand nahmen, legte ich die Arbeit beiseite, wollte ich sie doch nicht mit meinen düsteren Gedanken aufladen. Entsprechend langsam ist die Puppe entstanden. Je länger je mehr ist in mir aber auch die Zuversicht gewachsen, wie ich auf die aktuellen Geschehnisse reagieren kann, reagieren möchte.

Immer wieder und sehr gerne dachte ich mich während der Arbeit zu einem kleinen Mädchen, welches ich gar nicht persönlich kenne, malte mir aus, wie es auch dank der Puppe hineinwachsen würde in seine Welt. Indem es mit ihr Mitgefühl übte, Freundschaft probte, Verbundenheit spürte, Einsamkeit bezwänge. Ich freue mich sehr darüber, dass ich diese Puppe ziehen lassen konnte. Dass ich sie nicht in meiner eigenen kleinen Welt behalten und besitzen muss, sondern dass sie anderswo bewirken kann, was in ihrer Macht steht. Ganz ganz wenig für die Massstäbe der Welt. Aber vielleicht sehr viel für dieses eine kleine Mädchen.




Und sonst so:

Noch immer bin ich blutige Anfängerin, was die Puppenmacherei betrifft. Es finden sich einige kleinere und grössere Fehler, welche ich jetzt aber einfach akzeptiere. Dies ist meine zweite selbstgemachte Puppe, und die kleinen Makel dürfen sein.

Sicherlich werde ich beim nächsten Mal robusteren Stoff für den Körper verwenden, so werden die störrischen Schafwollhaare der Füllung auch weniger als eigenwillige "Brusthaare" da und dort hervorlugen. Mit dem Formen und der Stabilität des Halses tat ich mich schwer, ein kleiner, sehr provisorischer Loop (der eigentlich ein Haarband hätte werden sollen, dann aber zu klein war), kaschiert die Stelle. Es ist nicht ganz einfach, die richtige Füllmenge und damit die Härte resp. Weichheit der Puppe zu definieren. Nachdem meine erste Puppe ein hartes Klötzchen wurde, ist diese Puppe jetzt bewusst sehr weich geblieben. Ob und wie sie damit längerfristig zurechtkommt, wird sich zeigen. Auch die Lippen hab ich ein bisschen vermurkst, aber da vertraue ich auf den neutralisierenden Zeitfaktor.

Da die Puppe in ein Heim gezogen ist, wo wunderbarst gestrickt und genäht wird, bereitete mir die Puppenkleidung das meiste Kopfzerbrechen. Am liebsten hätte ich die Puppe nur in ein Stöffchen gehüllt übergeben, aber dann führte eines zum anderen. Ein kleines Hemdchen für die Reise rief nach einem Röckchen, dieses wiederum nach Unterwäsche. Schuhe wurden plötzlich dringend nötig und die Weste musste als baumwollenes Augenzwinkern einfach sein, schliesslich bin ich via Bora auf die "Pebbles" gestossen und habe davon auch schon mehrere für meine Kinder gestrickt. Für die gesamte Garderobe habe ich ausschliesslich Restematerial verwendet. Und natürlich freut es mich, wenn die Puppengarnitur ergänzt/ersetzt wird mit kleinen Kostbarkeiten aus dem Hause Kirschkernzeit. Damit die Puppe ganz verwoben wird mit ihrem Wirkungsfeld.

Auch habe ich die Haare bewusst nicht kompliziert frisiert und eher eine Spur zu lang gelassen. Gerne darf da noch ein bisschen optimiert werden, wenn sich herauskristallisiert, welche Frisur gut zur Puppe und den täglichen Anforderungen passt. Und da ja auch Kinder manchmal Scheren in die Hände kriegen und bei Puppen (und sich selbst) verwegene Frisuren produzieren, legte ich den Restknäuel des Mohairgarns zum Paket. Vielleicht ist man da mal noch froh darüber...

Und jetzt, jetzt spüre ich dieses Entzugs-Kribbeln, diese Unruhe, die mich gerne erfasst, wann immer ein grösseres Projekt beendet ist. Was darf es denn als nächstes sein?






Freitag, 4. September 2015

Klammern und Ausrufezeichen


Wir verändern uns alle. Ständig. Aber selten fällt das so auf wie bei kleinen Kindern. Gerade eben wachsen die beiden hier so rasant, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt.

Der Frischling hat sein erstes gegenständliches Bild gezeichnet. Eine Lokomotive (was sonst!). Diese hat er ganz allein in aller Stille aufs Blatt gehauen, nachdem ihm tags zuvor eine Mutmach-Zeichnung mit Rittern und Drache von einem Spielgruppen-Gspänli geschenkt wurde. "Wenn M. zeichnen kann, kann ich das auch.", hat er mir beim Überreichen erklärt. (Gerade mal drei Jahre alt geworden, besucht der Frischling seit vier Wochen während eines Nachmittages pro Woche die Waldspielgruppe. Freiwillig ist das und für ihn eine gute Gelegenheit, andere Kinder kennenzulernen. Aber bereits nächstes Jahr gilt es ernst mit obligatorischem Kindergarten, fünf Tage die Woche, eine Kindergärtnerin auf ca. 25 Kinder. Zugestandene Eingewöhnungszeit: ein Tag. Wer hat sich das bloss ausgedacht?)

"Ich bin Schuperman!" Ja, manchmal gelingt dem Frischling neuerdings das "sch".

Die Zaunkönigin summt die Melodie von "Heile, Heile, Säge" (Segen natürlich!), kriegt Haare (endlich!), steigt in ihre Hosen und organisiert den Haushalt neu (Was ich überall finde, wenn ich es nicht suche! Und umgekehrt!). Nur das Sprechen spart sie sich noch fast gänzlich auf. Sie lebt hervorragend ohne Worte, kriegt immer was sie will und kommandiert alle in der Gegend herum. Mit Vorliebe den Papa (Mapam!) und mich (Mapam!).

Donnerstag, 7. Mai 2015

Mimi


Mimi guckt so frech wie das Mädchen, von welchem sie hoffentlich schon bald innig geliebt werden wird. Sie ist, obwohl voller kleiner Fehler und Unzulänglichkeiten, das perfekte Geschenk zum ersten Geburtstag der Zaunkönigin, welchen wir bald feiern dürfen. Ganz langsam ist sie entstanden (hier und hier ist sie bereits im Blog aufgetaucht), Schritt für Schritt hat sie ihre Gestalt, ihren Ausdruck und ihre Kleidung erhalten.


Innen und aussen ist Mimi ganz mit uns verwoben. Gefüllt ist sie nämlich ausschliesslich mit der Wolle unserer lieben, schönohrigen Karamba. Und für die Kleidung habe ich abgelegte Kleidungsstücke von mir zerschnitten und neu zusammengenäht. Das Jäckchen schliesslich ist aus einem Restknäuel Sockenwolle entstanden.


Um einen guten Tipp, wie die rund vorgestickten Augen sich nicht durchs Sticken unförmig zusammenziehen, bin ich sehr dankbar. Dieses Detail möchte ich bei einer nächsten Puppe (so es denn eine gibt) definitiv besser hinkriegen. Auch von der Entscheidung, die Puppe nicht ganz waldorf-schlicht, sondern mit Nasenlöchern und einem anders aufgebauten Mund auszustatten, bin ich nicht mehr restlos überzeugt.

Aber für dieses Mal ist es gut. Die Zaunkönigin und Mimi passen zu einander, das Mädchen beschenkt die Puppe mit dem gleichen Singsang, mit welchem sie auch die Katzen begrüsst. Ich habe es nämlich nicht geschafft, ganz im Geheimen zu arbeiten. Die Puppe bezog Quartier im Bücherregal, zuerst als gesicht- und haarloses, nacktes Geschöpf bis schliesslich als eingekleidetes Persönchen mit Schalk in den Augen (und hinter den Ohren). Eine zarte Freundschaft hat sich bereits angebahnt. Jetzt lasse ich die Puppe verschwinden, und dann, in rund einem Monat, wird sie feierlich ihrer Puppenmama übergeben.


Harte Fakten:
Die Anleitung ist von hier resp. hier und sehr zu empfehlen.
Puppenjersey stammt von hier. (Die Qualität der Website hat nichts mit der Qualität des Stoffes gemeinsam.)
Puppenmohair von hier.
Die Anleitung fürs Strickjäckchen "Little Kina" gibt es hier und ist sehr einfach nachzustricken. (Es hat einen kleinen Fehler in der Anleitung, der aber so offensichtlich ist, dass er keine Probleme bereitet.)




Montag, 30. März 2015

Feste feiern


Und noch zwei Familienmitglieder feierten heute Geburtstag und bringen es jetzt zusammen auf 45 Jährchen.

Herzliche Gratulation, liebster Gefährte.
Und herzliche Gratulation, mein guter alter Herr Hund.

Die Wimpelkette* wird jetzt bis zum Frühsommer im Schrank verstaut.


*Vor einiger Zeit machte ich mir Gedanken, welche Rituale eigentlich bei uns zu den Geburtstagen gehören sollen. Da wurde mir klar, dass ich nicht alljährlich mehrmals zu später Stunde würde Plastikballone aufblasen wollen. Ökologischer Mist, nicht besonders schön, mühsam, kurz; absolut untauglich. Eine Wimpelkette musste her. Und da ja Geburtstage so ein Familiending sind, habe ich eine, wenigstens auf gestalterischer Ebene, familienvereinende Näheinladung initiiert. Eine Mutter (ich), mehrere Grossmütter und eine Urgrossmutter haben die Wimpel für diese Wimpelkette beigesteuert. Und an jedem zukünftigen Geburtstag in unserer Familie wird sie nun das Wohnzimmer (oder den Garten oder die Terrasse oder...) schmücken, das Geburtstagskind feiern und an den Wert der Sippe erinnern. Schön, nicht?

Freitag, 13. Februar 2015

das grosse Ganze

Bild von hier

Um mich Wasser.
Neben mir Stein.
Über mir Schnee.

Nur das Feuer fehlt.
.
..
...

Ich bin das Feuer.

Da-Sein.
Ganz-Sein.

Samstag, 7. Februar 2015

Lukas der Lokomotivführer


Darf ich vorstellen: Lukas der Lokomotivführer.
Mit dem Traktor, der als Lokomotive (Kamin!), die als Drache verkleidet ist.
Im Anhänger noch ein verliebter Drache (die Verkleidung funktioniert!).
Und ein Holzscheit (Kohlen waren gerade alle).

Dazu warme Kleidung, ein alter Diensthut, eine geschnitzte Holzpfeife und etwas Kajal als Kohlenstaub zweckentfremdet.

Passt!

Dieses Kind war heute sehr glücklich.

Montag, 26. Januar 2015

Januarflocken


Die Tage sind lang und die Nächte auch (Nein, nicht die Kinder halten mich wach, sondern all die tausend Dinge, die tagsüber liegenbleiben). Dunkle Wolken, heftige Winde und strahlende Sonnenstunden geben sich die Klinke in die Hand. Wöchentlich, täglich, manchmal sogar im Stunden- oder Minutentakt.

Vieles ist im Entstehen begriffen, weniges wird geschafft.
Gut oder schlecht? Keine Ahnung. Es ist, wie es ist.





So entsteht ganz langsam (wirklich ganz langsam, angeschlagen wurden die Maschen einst für den Frischling, und ich hoffe,  Madame Zaunkönigin wird es jetzt dann noch tragen können) ein "Mossy Jacket" (gestrickt mit Drops Big Delight).

Farbkopien aus aktuell beliebten Bilderbüchern werden gerahmt, um des Frischlings Welt auf seiner Augenhöhe zu verschönern.

Selbstgemachte und ganz und gar unbedenkliche Möbelpolitur kommt zum Einsatz.

Lesehunger wird befriedigt.

Und ein Herzensprojekt für die Zaunkönigin nimmt langsam Gestalt an.

Dienstag, 20. Januar 2015

Hoch die Flaschen!


Weil ja Konkurrenz das Geschäft belebt, habe ich mich von Melanies Aufruf anstecken lassen. Votet für unsere Flaschen-Designs, so sie euch gefallen. Und schaut euch die Seite etwas genauer an, ich jedenfalls finde die Idee nämlich super (kein Sponsoring hier, rein gar nichts, nur echte eigene Überzeugung).

Und an dieser Stelle sei euch auch der Film "Bottled Life" ans Herz gelegt.
Angucken, nachdenken, handeln!
Damit die Welt ein kleines Stückchen besser wird.

Samstag, 6. Dezember 2014

Adventsfreude


Der Frischling wird dieses Jahr erstmals seine Lieben beschenken. Mit einem wirklich ganz selbstbemalten, nützlich-nachhaltigen und ästhetisch zumutbaren Kindergeschenk, welches dann noch kulinarisch ergänzt wird.


Erstmals seit Jahren beginnt die Adventszeit für mich wieder zu glitzern. Dem Frischling all die Besonderheiten dieser Zeit nahezubringen und zu sehen, wie in ihm dieses Weihnachtszeit-Flämmchen zu glühen beginnt, das ist einfach wunderbar.


(Für D. und H. fällt jetzt halt die Überraschung ins Wasser. Das tut mir leid. Aber dieser Post musste einfach sein. Mein Hirn bringt im Moment für diesen Ort hier einfach nichts Komplexeres zustande.)

Sonntag, 23. November 2014

Die spinnen, die Römer!


Dieses erste Verarbeiten von Wolle ist nur ein kleiner Testlauf einer winzigen Menge (ca. eine Einkaufs-Papiertüte). Ich wollte einfach endlich wissen, was es da alles zu tun gibt, wie es sich anfühlt, und was da so dabei herauskommt, wenn ich mich auf dieses Material einlasse.

Das Sortieren der verschmutzen Wolle war nicht ganz einfach. Was geht noch? Was gehört weggeworfen? Ich habe wohl eher ein bisschen zu gründlich vorsortiert, das anschliessende Waschen und Kämmen beseitigt noch Heu und Gras und löst auch kleinere Verklebungen. In Zukunft werde ich aber direkt beim Scheren die richtig stark verschmutzten Stellen, sprich Kot im Fell, bereits grosszügig aussortieren. Dies wäre überhaupt nicht eklig, Monate später wird es das aber.

Dann wird die Wolle in sehr warmem Wasser mit etwas Spülmittel und Waschsoda zwei- bis dreimal für rund 20 min. gewaschen (eingelegt) und anschliessend mit mehreren Gängen klarem warmen Wasser gespült. Zum Schluss wird geschleudert, tatsächlich. Allein Temperaturschwankungen des Wassers und Kneten der Wolle sollte man unterlassen. Das anschliessende Trocknen dauert jetzt im geheizten Haus nicht lange.

Danach folgt das Kardieren der Rohwolle. Da es mir an Handkarden mangelt, habe ich fürs erste zwei grosse Hundebürsten mit Metallstiften gekauft. Die sind den Handkarden ziemlich ähnlich, günstig und reichen für meine Testzwecke allemal. Und wenn man bedenkt, dass früher für diese Arbeit echte Karden (Pflanzen) benützt wurden, ist ja bereits so eine Hundebürste ein High-Tech-Gerät. Kardieren ist eine ziemlich langwierige, aber schöne Tätigkeit. Perfekt geeignet für einen langen Novemberabend, flankiert von Tee und Hörbuch. Durchs Kardieren entstehen diese herrlich fluffig-leichten Wollwölckchen, wie man sie fürs Filzen oder andere Bastelarbeiten kaufen kann.

Die kardierte Rohwolle kann nun nass- oder nadelgefilzt oder versponnen werden. Da ich zufälligerweise im Besitz einer Handspindel bin, habe ich mich im Spinnen versucht. Der Einstieg ist eine ziemliche Herausforderung, aber schnell lernen die Finger das Material kennen, die Bewegungen werden runder, die Entspannung während der Arbeit setzt ein. Noch immer bin ich sehr langsam, aber was sich da so langsam auf der Spindel aufwickelt, freut mich sehr. Ein ziemlich dünner, einigermassen regelmässiger Faden wird lang und länger.

Anschliessend wird noch das Verzwirnen folgen. Der Faden ist ja erst gedreht, steht also unter Spannung, erst mit sich selbst oder einem zweiten Exemplar verzwirnt, entspannt er sich. Man muss also zwei Meter Wolle spinnen, um am Schluss einen Meter Wollgarn zu erhalten.

Und dann kann man endlich zu stricken beginnen.

Mein erstes Fazit:
Die Arbeit ist keine Hexerei, jedoch sehr zeitaufwändig. Sie muss um ihrer selbst willen gemacht werden, dann ist sie wunderbar.

Auf jeden Fall hat es eine ganz neue Qualität bekommen, den Schafen beim täglichen Besuch das Fell zu kraulen. Dass aus ihren Kutten auf ganz archaische Art und Weise, ohne Strom (ausser in meinem Fall fürs warme Wasser und den Schleudergang) und kompliziertes Gerät ein langer, reissfester, tatsächlich weiter zu verarbeitender Faden entstehen kann, rührt mich eigenartig an. Es ist gut, dass diese drei Schafe hier mit uns leben. Holz und Heu einzulagern, Obst zu dörren und einzukochen, das Feuer zu hüten und Wolle zu spinnen; in diesen einfachen und uralten Tätigkeiten liegen für mich ungeahnte Freude und ein grosses Glück.

Donnerstag, 21. August 2014

Erinnerungen zum Anfassen


Welche Bloggerin kennt es nicht: Mit Einzug der Digitalkamera haben sich tausende Bilder auf unseren Rechnern oder externen Festplatten angesammelt, persönliche Schätze von grossem emotionalen Wert, welche aber selten bis nie angeschaut werden. Allein schon, weil die Archivierung der Betrachtung nicht entgegen kommt, existieren doch von jedem Moment, den man festhaltenswert hielt, Dutzende von Bildern.

Gerade das Führen einer "Familienchronik", also eines klassischen Fotoalbums, wie ich es als Kind daheim jeweils fasziniert studiert habe und welches bis heute nichts von seinem Reiz eingebüsst hat, scheint ausser Mode gekommen zu sein. Aber ich wollte das auch haben! Für mich. Und für meine Familie. Aber wie anstellen? Allein schon der Gedanke an die Datenmengen liess mich erschaudern...


Digital erstellte Fotobücher mag ich nicht. Die Qualität lässt zu wünschen übrig, sie sind unglaublich teuer und die angebotenen Softwareprogramme sind unhandlich und unübersichtlich. Einkleben mit Fotoecken ist auch nicht meins. So gut kenne ich mich, da komme ich über die ersten fünf Seiten nicht hinaus. Und altbacken finde ich es zudem auch noch. Einstecktaschen finde ich super, die sind schlicht und praktisch. Aber bis anhin fand ich nur solche für herkömmliche Ordner. Und da standen dann jeweils 4 Fotos pro Seite kopf, weil ich mehrheitlich Querformat-Bilder (ein grandioses Filmchen zu diesem Thema hier) schiesse. Nicht schön, und somit auch keine Option.

Soulemama rettete mich, indem sie vor einigen Wochen ihr Fotoalbum-System vorstellte. Ich war hingerissen. Und der Rest ist schnell erzählt: Probeabzüge, Sichttaschen und Album bestellt und für gut befunden, anschliessend rund 600 Fotos (Best-of-Auswahl der letzten fünf Jahre) drucken lassen und sortiert, geordnet, arrangiert, reduziert,... Bei dieser Gelegenheit habe ich auch meine Art, Bilder abzulegen überdacht und mich für einen praktischeren Neuanfang entschieden, zudem die Festplatte "geputzt", externe HDs geordnet und sauber beschriftet,...


Und jetzt bin ich glücklich! Immer wieder blättere ich durch die Seiten, welche meine Liebsten und die grossen Veränderungen der letzten Jahre zeigen. Berührt und dankbar für alles, was die Bilder zeigen. Und stolz über meine Entscheidung zu einem System und die rasche und komplette Umsetzung meines Plans.

Samstag, 28. Juni 2014

Fremde Federn


Gesehen und verliebt!

So etwas entsteht, wenn sie die überschüssige Druckfarbe auf ihrer Holzschnitt-Farbwalze in einer ausgedienten Broschüre abrollt und diese wiederum einige Zeit später beim Aktzeichnen als Malgrund verwendet. Und was es sonst noch so braucht: viel Erfahrung und Können, ein frohes, mutiges Herz, verspielte Lockerheit und unversiegbare Neugierde und Lebenslust. (Die Abbildungen sind nicht ein "Best-of-Auszug" sondern zeigen das komplette vorliegende Heftchen.)

Liebste, beste HLK, ich bin dir oft eine gnadenlose Kritikerin, wie wohl nur eine Tochter es sein kann. Aber dann und wann bleibt mir nur Staunen und neidlose Bewunderung für dein Schaffen.

Hebs guet!







Freitag, 9. Mai 2014

Fäden und Kontakte knüpfen


Frau Krähe näht! Endlich! Bevor ich mich ans Stricken wagte, glaubte ich fest an die Näherei. Schliesslich beginnt man da nicht mit einem Faden, welcher sich mühsam Masche für Masche zu einer Fläche entwickeln muss. Nein, nein, die Fläche ist schon vorhanden, man muss nur ein bisschen davon wegschnippeln, neu zusammensetzen, und schwupps, schon hat man ein fertiges Kleidungsstück. Skulptur vs. Plastik, um es bildhauerisch zu sagen... Meine Vorstellung in Ehren, leider brachte mich die Realität schnell auf den Boden der Tatsachen zurück.

Beim Nähen gilt es zahlreiche Arbeitsschritte zu befolgen, mysteriöse Fachausdrücke (absteppen, versäubern,...) und technische Details (Nähmaschine) zu verstehen und räumliches Vorstellungsvermögen zu beweisen.  Die entstehende Auslegeordnung ist jeweils beträchtlich, zeitintensiv und mit neugierigem Kleinkind logistisch nicht ganz einfach im Griff zu behalten (Bügeleisen, Schere, Stecknadeln,...). Und so blieb es in den letzten Jahren bei einigen Versuchen, viel Flucherei und verhältnismässig wenig Freude.

Der von der Integrationsstelle meines Wohnortes ausgeschriebene Nähkurs für Migrantinnen und langweilige "Schon-Immer-Hier-Wohnende" wie mich (aber ohne diese funktioniert Integration ja auch nicht) ist deshalb genau das Richtige für mich. Während acht Abenden werden wir, fünf Frauen unterschiedlichsten Alters und mit unterschiedlichsten Lebens- und Nähbiografien in die Grundlagen der Näherei eingeführt. Und zwar ganz individuell und auf genau dem Niveau, welches zu einem passt. 

Gemütlich die Stunden und spannend die Gespräche am grossen Tisch, welche sich zwischen ratternden Nähmaschinen entwickeln. Klärend und motivierend die kleinen Erfolge, welche sich langsam einstellen. Bald mehr. Jetzt muss ich Stoff zuschneiden gehen... 


Dienstag, 15. April 2014

Spuren



Drei Menschen.
Drei Entwicklungsstufen.
Drei Themen.

Und ganz viel Freude.

Mittwoch, 19. März 2014

stille Vorfreude


Es sind unspektakuläre Tage. Und doch geschieht so viel. Die Wunder zeigen sich im Kleinen.

Der Frühling knallt einem seine ganze Pracht noch nicht um die Ohren, aber er schleicht sich leise heran. Der Weidezaun trägt Kätzchen und der frischgepflanzte Kornelkirschbaum blüht. Meine grösste Freude sind jedoch die zarten Blättchen am Holunderbaum. Ich wusste nicht, ob er meine brachiale Umsiedlung überlebt hatte. Vor einiger Zeit grub ich ihn nämlich in unserem Waldstück an steilster Hanglage bei nassfeuchtem Wetter aus, während der Frischling im Kinderwagen schlief. Entsprechend winzig war der Wurzelballen, mein grobes Gezerre am Baum und nur mässiges Gegrabe liess viele Wurzeln abbrechen. Und jetzt spriessen überall diese kleinen Blättchen. Ein tapferes, zähes, braves Bäumchen.

Die Hennen legen Ei um Ei. Täglich von neuem diese warmen Handschmeichler aus dem Stroh zu bergen erfüllt mit Bewunderung und Dankbarkeit. Eier als Symbol für Fruchtbarkeit. Was ich schon immer gewusst habe, verstehe ich jetzt auch mit dem Herzen.

Der Frischling spielt und tanzt und werkelt und palavert und zeichnet. Er zeichnet überall. Auf Papier, auf die schöne alte Holztruhe, auf die gläserne Türe der Duschkabine. Fast immer freut es mich sehr. Sein Wachsen und Lernen ist wunderbar anzuschauen.

Ein ziemlich spontan gekauftes Baumwollgarn zeigt mit jeder gestrickten Reihe mehr von seiner Schönheit. Jede Masche hilft mir, in meinem Alltag meine Aufmerksamkeit auf das kleine Menschenkind zu richten und ihm liebevolle Gedanken zukommen zu lassen. Wie der schüchterne Frühling wirkt seine Gegenwart nämlich trotz aller Vorboten noch etwas fern. Man wagt kaum, daran zu glauben. Doch schon ganz bald wird es (hoffentlich) mit uns leben und wir können uns dann nicht mehr vorstellen, wie wir es ohne seine Gegenwart aushalten konnten.

Stille, heimliche, versteckte Wunder. Die aber alle doch schon ihre Boten vorausschicken und Zeichen setzen in diesen Tagen.

Sonntag, 9. März 2014

mein Wochenende


Spuren setzen: Der Frischling entdeckt nach Kritzeleien und Spiralen die Zickzacklinie.
Theaterpremiere: Der Gefährte wird beschenkt und ich freue mich mit.
Verstrickungen: Ein kleines Supplement zum Jäckchen nimmt seinen Anfang.
Gaumenfreuden: Ulma sei Dank.

Und die Nase läuft und der Husten rasselt. Aber ob all dem Schönen lässt sich das aushalten.
Ich freue mich über jeden Kommentar.
Weil dann Statistik-Zahlen zu Menschen werden.
Dank dir.