Posts mit dem Label Lesen heisst denken werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Lesen heisst denken werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 17. Januar 2016

Eulenglück


Wie erfrischend und beflügelnd ist der Spaziergang durch die zauberhafte Winterlandschaft. Der Hund rennt übermütig um mich herum, der Schnee stiebt trocken unter meinen Füssen, die Sonne lässt mich blinzeln. Stille. Ein Gefühl von Neuanfang.

Ich geniesse jede Minute in vollen Zügen. Bald ist dieses Winterwetter wieder Vergangenheit. Ist es nicht phantastisch, in einer Klimazone zu leben, welche uns vier Jahreszeiten beschert?

Ich erfreue mich an der winterlichen Kälte und Klarheit. Später dann lasse ich mich begeistern vom Frühling mit dem Ruf des Kuckucks, dem munteren Gurgeln des Baches hinterm Haus und den Düften nach Erde und spriessendem Gras. Im Sommer dann liebe ich die langen trägen Tage, das Barfusslaufen, den Geruch von Minze und die kühlen, geselligen Abendstunden. Der Herbst schliesslich ist ganz "meine" Jahreszeit. Das melancholische Abschiednehmen, welches sich in der Natur zeigt, Tom Waits, Rilke, Tee und die ersten Nebel verbünden sich mit meiner inneren Gestimmtheit.

So schnell die Schönheiten jeder Jahreszeit einander abwechseln, so schnell sind auch die mühsamen Aspekte immer gleich wieder vorbei. Die unfreundliche Kälte im Winter, wenn man frühmorgens das Haus verlassen muss, der Matsch im Frühling, die Hitze im Sommer, die ersten Halsschmerzen im Herbst, alles dauert nie so lange an, als dass man sich ernsthaft darüber ärgern könnte.


Mir fällt eines unserer Bilderbücher ein: Eulenglück* von Celestino Piatti. Zwei Eulen werden von der Hühnerschar um das Geheimnis ihrer Zufriedenheit gefragt. Die Antwort wird aber vom hedonistischen Hühnervolk nicht verstanden. Ich habe die Geschichte schon unzählige Male erzählt, aber noch nie habe ich sie so tief empfunden wie heute.

Im Moment gelingt es mir gut, eine Eule zu sein.


*Es handelt sich hierbei nicht um Werbung. Ich schreibe aus freien Stücken von meinen Gedanken und Erlebnissen. Dass ich dabei dann und wann etwas erwähne, was käuflich ist, lässt sich nicht vermeiden.

Sonntag, 26. Juli 2015

Silber wird Gold


Der kleine Räucherkasten wird mir fast schon nachgeschmissen auf dem Flohmarkt. Neugierig schreite ich zur Tat. 

Die Forellen beize ich während rund zwölf Stunden in Salzwasser. Danach gebe ich das Buchenholz-Räuchermehl (ein Blick auf die Verpackung verrät es; hier haben wir es mit einer echten Antiquität zu tun!) zusammen mit den Fischen in den Kasten. Von unten wird Hitze zugefügt, im Innern entsteht Rauch. Nach knapp einer Stunde sind die beiden Fische geräuchert.

Goldene Forellen, Bratkartoffeln, Salat und etwas Wein. Was für ein Genuss. Trotzdem
Unbezahlbar auch die beim Hantieren und Riechen aufsteigenden Kindheitserinnerungen.





Samstag, 11. April 2015

#regrettingmotherhood : Senfkörner


Er wird heiss diskutiert in den Blogs, dieser Artikel. Herausragend äussert sich aufzehenspitzen. Ambivalenz kennen wir wohl alle. Aber darum geht es nicht in dem Bericht.

Ich kenne mehrere Frauen, welche keine Kinder wollen. Niemals. Aus verschiedenen Gründen nicht. Ihnen wird gewöhnlich wenig Verständnis entgegengebracht. Als "karrieregeil" oder "egoistisch" werden sie betitelt, "bindungsgestört" und ähnliches fällt schon auch mal. Und immer wieder müssen sie hören, dass sie ihre Entscheidung sicherlich im Alter bereuen würden.

Ich verneige mich voller Hochachtung vor diesen Frauen. Nicht wegen ihrer Entscheidung. Die ist mir so egal wie die Entscheidung für die Mutterschaft. Sondern vor ihrer Fähigkeit, auf ihre eigene innere Stimme zu hören. Die oft und immer wieder arg angegriffen wird. Diffus, unterschwellig, aber auch ganz brutal, direkt und gnadenlos. Es braucht Kraft und Mut, unter solchen Bedingungen auf diese Stimme zu hören. Aber es geht um die Integrität dieser Frauen, um nichts weniger. Besonders schwierig wird es für sie, wenn der Partner sich Kinder wünscht. Persönlich kenne ich eine Frau, welche noch rund 30 Jahre nach der Zeit, in welcher sich bei ihr die Kinderfrage gestellt hatte, unendlich dankbar ist, gegenüber ihrem Mann diesbezüglich standhaft geblieben zu sein. Und eine, welche bereut, dass sie nachgegeben und ein Kind bekommen hat.

Ob die bereuenden Mütter des Artikels sich wohl je einmal sehnlichst Kinder gewünscht hatten und dann erschreckt feststellen mussten, dass ihre Vorstellungen und die Realität auseinanderklafften? Oder handelt es sich vielleicht um Frauen, welche dieses leise Unwohlsein im Bezug auf eigene Kinder schon vorher gespürt hatten, dieses aber nicht fassen oder "verteidigen" konnten? Ich weiss es nicht.

Aber ich weiss, dass ich jeder Frau, welche sich getraut, ihre Mutterschafts-Irritation oder sogar -Abneigung (was nicht heisst, dass sie Kinder oder andere Mütter doof finden, auch das fiese Zuschreibungen, an welcher diese Frauen leiden), freundschaftlich die Hand reiche. Damit ihre innere Stimme stark bleiben kann.

(Gebe ich hier jetzt tatsächlich meinen Senf zu einem tagesaktuellen Thema??? Also Sachen gibts...)

Sonntag, 8. Februar 2015

Alpha: Her mit dem Vergnügen!


Beziehungsorientierte Elternschaft!
Freies Spiel!
Selbstwirksamkeit!
Tragen! Stillen!
Gewaltfreie Kommunikation!
Genderneutrales Spielzeug!
Plastikfreies Kinderzimmer!

Klingt alles super, aber doch manchmal ein bisschen sehr nach viel Arbeit. Ist er uns wirklich dermassen abhanden gekommen, der einfache und intuitiv "richtige" Umgang miteinander?

Ich mag diese Site, welche "Frühförderung" so anders und wohltuend unspektakulär definiert. Aber dass ihre Schaffung offensichtlich nötig war, erschüttert mich.

Auch die Sendung Kontext erzählt mir über Frühförderung und Kinderspiel, was ich voll und ganz bejahe. Aber hatte man das tatsächlich vergessen können, dass Kinder lernen im freien Spiel?


Einer meiner Lieblings-Erziehungsratgeber ist der "Leitfaden für faule Eltern" von Tom Hodgkinson. Herrlich lakonisch und oft provozierend beruft er sich auf Rousseau und Locke und empfiehlt, die Kinder in Ruhe oder aber für sich arbeiten zu lassen, kein Geld für Spielzeug, Freizeitgestaltung und ähnliches auszugeben, Blockflöten gegen Ukulelen auszutauschen und anderes mehr. Da wird für einmal nicht zuerst gefragt, was das Kind braucht, sondern wie man als erwachsener Mensch mit Kindern unter einem Dach leben will. Hodgkinson gelingt der überraschende Twist, dass genau diese Portion Egoismus das Beste für die Kinder ist, sie stark, selbständig und glücklich macht. Also genau so, wie es sich auch die "konventionelle Ratgeberliteratur" wünscht. Nur einfach viel entspannter. Hier gibt es eine hübsche Rezension zum Buch. Die propagierte Entspannung und Gelassenheit als Faulheit zu bezeichnen, finde ich unglücklich gewählt bis grob irreführend. Schade, dass das tolle Buch den Titel trägt, den es trägt.

Ich las das Buch das erste Mal, als ich noch keine Kinder hatte und fand es vor allem sehr lustig. Einige Jahre später, mit eigenen Erfahrungen als Mutter und der ausgiebigen Lektüre einschlägiger Literatur, gefällt es mir noch besser. Manchmal, wenn ich mich so umschaue, fühle ich mich deplatziert und einsam mit meinen Schmuddelkindern, meiner Auffassung eines gelungenen Tages, meinen Prioritäten im Alltag mit ihnen (Spass für alle zum Beispiel). Dann ist mir dieses Buch ein guter Freund, ein lieber Verbündeter.


*zum Bild: Die Fotografie ist 1979 entstanden und zeigt meinen Vater und mich. Er ging wohl an jenem Tag eher einfach seinem Hobby nach, als dass er die Paradigmen der bindungsorientierten Elternschaft zu erfüllen suchte (was er aber natürlich ganz nebenbei und selbstverständlich tat). Ich spüre beim Betrachten des Bildes nicht ein "Wir trugen dich ständig herum, das war halt aufgrund der Bindungstheorie furchtbar wichtig, aber schrecklich anstrengend", sondern ein "Unser Leben war schön, wir machten, was uns gefiel, und du warst einfach mit dabei". Dafür werde ich meinen Eltern ewig dankbar sein.

**zu Alpha: Hier fehlt der direkte Bezug zum Tier. Er wäre an den Haaren herbeigezogen. Trotzdem reihe ich den Post in die Alpha-Reihe ein, weil ich mich in dieser ja mit Erziehung im weitesten Sinn beschäftige. Und natürlich kann der denkende Mensch die Grunderkenntnisse auch auf die Beziehung Mensch-Tier übertragen.

Montag, 26. Januar 2015

Januarflocken


Die Tage sind lang und die Nächte auch (Nein, nicht die Kinder halten mich wach, sondern all die tausend Dinge, die tagsüber liegenbleiben). Dunkle Wolken, heftige Winde und strahlende Sonnenstunden geben sich die Klinke in die Hand. Wöchentlich, täglich, manchmal sogar im Stunden- oder Minutentakt.

Vieles ist im Entstehen begriffen, weniges wird geschafft.
Gut oder schlecht? Keine Ahnung. Es ist, wie es ist.





So entsteht ganz langsam (wirklich ganz langsam, angeschlagen wurden die Maschen einst für den Frischling, und ich hoffe,  Madame Zaunkönigin wird es jetzt dann noch tragen können) ein "Mossy Jacket" (gestrickt mit Drops Big Delight).

Farbkopien aus aktuell beliebten Bilderbüchern werden gerahmt, um des Frischlings Welt auf seiner Augenhöhe zu verschönern.

Selbstgemachte und ganz und gar unbedenkliche Möbelpolitur kommt zum Einsatz.

Lesehunger wird befriedigt.

Und ein Herzensprojekt für die Zaunkönigin nimmt langsam Gestalt an.

Donnerstag, 18. September 2014

"Gwand" und die Freude des Knöpfeannähens


Ich war mächtig enttäuscht, als das bestellte Buch mit japanischen Schnittmustern nur Kleider enthielt. Denn diese trage ich im Moment wegen des Stillens nicht. Zu unpraktisch, schliesslich will man ja nicht meterweise Stoff hochraffen. Und noch weniger anschliessend halb nackig rumsitzen. Irritiert schloss ich das Buch, wieso bloss hatte ich es bestellt? Versonnen betrachtete ich den Umschlag und musste plötzlich schmunzeln.

Der Titel "Kleider im japanischen Stil" ist ja eigentlich eine klare Ansage, was vom Buch zu erwarten ist. Nun sprechen Schweizer aber von Kleidern, wenn sie Kleidungsstücke meinen. Also Gewand im allgemeinen, Gwand, wie wir es nennen. Kleider (also Nicht-Hosen) hingegen nennen wir Röcke, egal ob es sich um Jupes und ähnliches oder Teile inkl. Oberköperbedeckung (gibts dafür ein treffendes Wort?) handelt. Da steckte ich also beim Bestellvorgang komplett unreflektiert im schweizerischen Spachmodus... Und trotz aller Reflexion finde ich auch jetzt nichts anderes heraus, als dass ich Kleider tatsächlich "ganze Röcke" zu nennen scheine.

Zum Glück konnte ich mich damals beim Bestellen aber nicht entscheiden, und so fand gleichzeitig noch ein zweites Buch den Weg zu mir. Dieses enthielt die gewünschte Bandbreite von "Gwand", und so durfte in den letzten Tagen doch noch Schritt für Schritt etwas entstehen unter meinen Händen. Da ich aber nur in seltenen und kurzen Minuten zum Arbeiten komme, fehlen jetzt noch zwei Knöpfe, welche dem guten Stück den letzten Schliff geben.


Dazu fallen mir wunderbare Zitate von Peter Bichsel ein: "So werden wir die Gefangenen von dem, was wir können. Und deshalb nähe ich gern Knöpfe an. Beim Knöpfeannähen bin ich ein freier Mensch, weil ich es nicht kann." Und hier: "Nur darf ich es nicht allzu oft tun, sonst laufe ich in Gefahr, es doch noch zu lernen. Knöpfe annähen macht nur so lange Spass, wie man es nicht kann." Und zum Schluss: "Nichtkönnen nicht als Mangel, sondern als Freiheit empfinden." Er hat ja so recht. (Alle Zitate aus "Das ist schnell gesagt", Peter Bichsel)

Sobald ich mir also die Freude des Knöpfeannähens gemacht habe, werde ich euch Bilder des Entstandenen zeigen. Vorerst gibt es einen Blick aus dem Kinderzimmer auf den Sonnenuntergang. Der mir jeden Tag sehr lieb ist, beginnen mit ihm doch die ruhigen Abendstunden.

Montag, 11. August 2014

Nahrung für Körper und Seele II

Fest vorgenommen habe ich es mir: Die Stunden, welche ich fürs Stillen des kleinen Kindes "aussitzen muss", sollen nicht ungenutzt verstreichen. Entweder möchte ich das Mädchen in diesen Momenten ganz bewusst geniessen, dem Frischling Geschichten erzählen und mit ihm Bilderbücher anschauen oder aber selber das ein und andere Buch lesen. Möglichst selten hingegen möchte ich am "smarten" (tatsächlich?) Gerätchen herumdrücken...

Viele von Euch werden dieses Buch kennen. Bei mir stand es lange im Regal. Kürzlich hatte ich es aufgeschlagen und zu lesen begonnen. Und war schon nach wenigen Seiten begeistert. Verzaubert. Gebannt. Berührt. Ich freue mich auf jede freie Minute und damit jeden Satz dieses Romans.

Ein Give-away der besonderen Art. Dem Mädchen und mir habe ich einen Babymassagekurs gegönnt. Und zwar einen ganz feinen Einzelkurs: Wohlfühlambiente, zu Beginn Entspannungsmusik, Kerzenlicht, viel Zeit und Verständnis fürs Kind. Das war toll. Und im Heftchen ist alles in Wort und Bild notiert. Griffe und deren Reihenfolge, Grundsätzliches und Weiterführendes. Ganz praktisch.

Das Büchlein ist klein. Gegliedert in winzigkurze thematische Kapitelchen. Schlicht geschrieben. Es handelt von Haushaltsarbeit. Und von Zen. Von Spiritualität im Alltag. Von Liebe zu unserem Tun, von Hingabe und Wertschätzung. Vom Unperfekten ist die Rede, von Anmut und Vergänglichkeit. Es liegt bei uns aufm Klo, lässt mich jeweils kurz innehalten und motiviert ins turbulente Tagesgeschehen zurückkehren. Meditation statt Sisyphus. Ist doch schön.

Buchstaben-Fast Food ohne literarischen Anspruch. Aber ich liebe ihn. Archetypische Themen und Charaktere, Mittelalter-Bühne, Fantasy-Elemente. Nur wer gut und wer böse ist, lässt sich nicht so einfach ausmachen, da ist die Story sehr komplex und differenziert und sucht ihresgleichen. Gleichzeitig werden reihenweise Leute geköpft, von Schwertern durchbohrt und Ungeheuern gefressen. Ja, ich mag das. Ist so schön einfach. Ohne komplizierten Konjunktiv. Davon habe ich selber genug. Und das Beste: Ich habe bereits tausende von Seiten gelesen, und noch immer ist kein Ende in Sicht. (Bitte entschuldigt die Bildqualität. Der Frischling wollte sich der Kamera bemächtigen...)


Donnerstag, 31. Juli 2014

stille Stund


Ich dank dir Herr
In jeder stillen Stund
Ist auch mein Mund
Scheu und verschwiegen.
Ich stehe hier
An meines Kindes Wiegen
Und ohne Wort
Dankt es in mir.

Mascha Kaléko

Freitag, 4. Juli 2014

Nahrung für Körper und Seele

Fest vorgenommen habe ich es mir: Die Stunden, welche ich fürs Stillen des kleinen Kindes "aussitzen muss", sollen nicht ungenutzt verstreichen. Entweder möchte ich das Mädchen in diesen Momenten ganz bewusst geniessen, dem Frischling Geschichten erzählen und mit ihm Bilderbücher anschauen oder aber selber das ein und andere Buch lesen. Möglichst selten hingegen möchte ich am "smarten" (tatsächlich?) Gerätchen herumdrücken...

Und weil es sich nirgends besser liest mit einem Kind an der Brust als im Bett, finden sich hier im Moment auch folgende Bücher:

Das Buch entwickelt beim Lesen einen starken Sog. Die Sprache ist klar und knapp. Durch diese ungeschminkte und schnörkellose Darstellung sind die Kurzgeschichten (bei welchen es sich um literarisch verarbeitete Interviews handelt) extrem berührend. Das Gelesene hallt lange nach.

Das Buch ist längst ein Klassiker. Als Geschenk hat es einst Einzug in meinen Haushalt gehalten. Lange blieb es ungelesen. Jetzt ändert sich das. Die Thematik passt nicht so richtig zum Sommer, zu leichten Gedanken und hellen Tagen. Aber vielleicht hält man die Geschichte nur so aus.

Ratgeber sind ja so eine Sache für sich. Das Buch ist jedoch ganz wunderbar gemacht: Schöne Farben, Prägungen, tolles Layout etc., da musste ich einfach zu lesen beginnen. Ob es wohl die eine oder andere Überraschung bereithält und mich inspirieren wird?


Montag, 28. April 2014

ich und wir


"Niemand ist berechtigt, sich mir gegenüber so zu benehmen, als kennte er mich." 
Robert Walser

Letzthin habe ich eine durch ihre eigene Dünnhäutigkeit irritierte Kollegin darauf hingewiesen, dass sie als frischgebackene Mutter und stillende Frau ja auch noch nicht wieder ganz "sie selbst" sei: Die Antennen voll ausgefahren und hochempathisch für das kleine Bündel Mensch, könne man diese für die Brutpflege wichtigen Qualitäten halt leider nicht per Knopfdruck im Kontakt mit anderen Menschen ausschalten.

Und ich selbst? Seit rund drei Jahren bin ich entweder schwanger, stillend oder gleich beides zusammen. Und es ist kein Ende in Sicht. 

Bin ich eigentlich noch ich? Bin ich zurzeit eine unvollständige Ausgabe meiner selbst? Oder vielleicht eine bessere Version von mir? 

(Der Wicht auf dem Bild ist natürlich der Frischling, damals noch fast ganz glatzköpfig... Es dauert noch ein Weilchen, aber der Geburtstermin vom kleinen Kind rückt unaufhaltsam näher.) 

Dienstag, 15. Oktober 2013

Silberchen


Ein Wiesel
sass auf einem Kiesel
inmitten Bachgeriesel.

Wisst ihr,
weshalb?

Das Mondkalb
verriet es mir
im Stillen:

Das raffinierte Tier
tats um des Reimes willen.

Christian Morgenstern, aus der Sammlung Galgenlieder




Aus feinstem Silber hab ich mir ein gänzlich unnütz Ding gegossen.

Dafür zuerst die winzigste Eichel gesucht, die ich finden konnte. Dann die Manschette mit Giesssand vorbereitet und die Winzigkeit hineingedrückt. Eingusstrichter und Abluftkanäle gestochen, Silber geschmolzen. Und Hopp! Dann noch geschliffen und poliert.

Und sehr gefreut.

Donnerstag, 19. September 2013

Lesen heisst denken


Freie Verse

Gestern Nacht erwachte ich wusste
Dass ich mich nun von diesen Versen
Verabschieden sollte. So geht es immer
Nach einigen Jahren. Sie müssen hinaus
In die Welt. Es ist nicht möglich sie
Ewig! hier unter dem Dach zu behalten.
Arme Dinger. Sie müssen hin in die Stadt.
Wenige werden später zurückkommen dürfen.
Jedoch die meisten treiben sich draussen herum.
Wer weiss was aus ihnen noch wird. Eh sie
Zur Ruhe gelangen.

Sarah Kirsch

Sarah Kirsch, Werke in fünf Bänden. Band 3. Gedichte. ISBN 3-421-05272-7
Ich freue mich über jeden Kommentar.
Weil dann Statistik-Zahlen zu Menschen werden.
Dank dir.