Dienstag, 30. Dezember 2014

zwei Jahre


Letztes Jahr habe ich darüber einige Worte verloren. Sie gelten immer noch.
Danke euch allen. Fürs Lesen. Fürs Schreiben.
Auf ein Neues.



Sonntag, 28. Dezember 2014

Milchweiss


In einem Märchen meiner Kindheit gab es eine Kuh, die hiess Milchweiss. Ich verstand immer Milchreis.

Vieles ist heute als Mutter für mich selbstverständlich, was ich mir früher nicht hätte denken können. Ans Milch abpumpen werde ich mich aber nie gewöhnen. Vor allem die elektrischen Pumpen lassen mich an die Apparaturen in Kuhställen denken. Dabei sollte ich beim Anblick von Kühen und Melkmaschinen an stillende, nährende Mütter denken. Brave New World.

Wir sind eingeschneit. Wir schlitteln, bauen Schneemänner und leben von unseren Vorräten.

Weisse Welt.





Donnerstag, 25. Dezember 2014

Ohren spitzen




Yeah! Das war grossartig! Danke Jonathan.
Der Gefährte und ich klebten am Bildschirm und verfolgten deinen Auftritt.
Es ist schön, dich zu kennen und ein Stück des Weges begleiten zu dürfen.
(Das gilt vor allem für den Gefährten, ich bin da ja nicht mehr als glückliche Trittbrettfahrerin.)

Für alle Blogleserinnen, welche nicht aus der Schweiz kommen:
"Jeder Rappen zählt" ist eine schweizweit angelegte Spendenaktionen. Dieses Jahr wurde für Familien auf der Flucht gesammelt. Das Ganze wird mit grosser Kelle angerührt, Radio- und Fernsehstationen arbeiten eng mit der Glückskette zusammen, als Zentrale fungiert eine Glasbox auf dem Europaplatz in Luzern. Als Social-Media-Event aufgezogen, kann man daran auch einiges kritisieren. Aber wie dem auch sei:
Die gesammelten
6'127'335 Franken
sprechen für sich.

Und weil es so schön ist, hier noch einmal Jonathan für euch:



Glückliche Weihnachtstage euch allen, mit viel Musik oder ganz still.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Alpha: Vom Zähmen


Im Umgang mit den Schafen geistert in letzter Zeit immer wieder ein Begriff durch meine Gedanken: Zähmen. Man stellt sich da ja was vor, was einem wohl die Filmindustrie eingeimpft hat: Mensch und Tier pirschen sich täglich etwas näher an einander an. Irgendwann flieht das Tier nicht mehr, irgendwann nimmt es Futter aus der Hand, irgendwann lässt es sich streicheln, und dann, dann ist es zahm. Und holt Hilfe, wenn man in eine Gletscherspalt fällt oder vertreibt den angreifenden Bären oder...

Die Realität ist anders. Meine Schafe lernen mich kennen, ob ich mich speziell mit ihnen beschäftige oder sie einfach versorge. Sie kennen meinen Gang, meine typische Kleidung, meinen Geruch, meine Stimme, meine Geschwindigkeit etc. Es ergibt sich ohne spezielles Zutun eine Vertrautheit im täglichen Umgang. In speziellen Situation (Scheren, Verladen etc.) nützt mir das aber nichts. Bei unsern ersten Schafen waren solche "Events" eine nervenaufreibende Sache. Aber nicht die Schafe waren das Problem, sondern wir. Heute weiss ich besser, wie Schafe ticken. Ich treffe Vorkehrungen, verkleinere beispielsweise vorgängig beim Füttern, wenn sie entspannt sind, ihre Stallfläche auf einen guten Quadratmeter. Allein das macht die Tiere extrem ruhig. Sie stehen gerne eng in der Gruppe. Dann kann ich mich zwischen sie stellen, Halsbänder und Stricke montieren etc. ohne dass es zu Aufregung kommt. Die Tiere sind dann in dieser Situation sehr zahm, wären aber genauso panisch wie ihre Vorgänger, wenn ich ihnen mehr Platz liesse. Ihr "Zahm-Faktor" ist also weniger eine Eigenschaft von ihnen als von mir. Und dieses zahm, dieses "Miteinander-vertraut-sein", wie es der Fuchs beim Kleinen Prinzen (Saint Exupéry) nennt, ist nicht nur Gewöhnung, sondern begründet sich auf Wissen, Intuition, Einfühlungsvermögen, Kennen und Akzeptanz.

Auch mit dem Hund gibt es wenig Ärger, wenn ich nicht auf das "perfekt abgerichtete" Tier, ein Ideal, vertraue, sondern wenn ich vielmehr das mir anvertraute Individuum gut kenne und weiss, wie es tickt. In bald elf Jahren mit dem Herrn Hund habe ich akzeptiert, dass er gewisse Dinge nicht kann oder nicht will. Zum einen begründet sich das in seinem Charakter, zum andern in meiner (fehlenden oder fehlerhaften) Erziehung. Wenn ich ihn als Lebewesen mit Eigenheiten, Stärken und Schwächen akzeptiere und daraus für mich Konsequenzen ziehe (z.B. anleinen bei Hundebegegnungen, nicht aber unbedingt im Wald) und die Verantwortung übernehme, haben wir eine tolle gemeinsame Zeit ohne Stress und Ärger.


Wir tun gut daran, uns selbst auch in Bezug auf unsere Kinder "zu zähmen" (welche wie wir selbst dabei wild und fröhlich bleiben können). Wenn ich mir bewusst bin, welche Aufmerksamkeitsspanne, welche Frustrationstoleranz, wieviel Appetit, welches Schlafbedürfnis, wieviel Sicherheit mit unbekannten Personen usw. usf. mein Kind hat, kann ich es vor meinen eigenen überspannten und unrealistischen Erwartungen schützen, seinem Tempo und Empfinden entsprechend agieren und auf seine Bedürfnisse eingehen. Ein glückliches Kind ist etwas anderes als ein zufriedenes Schaf oder ein entspannter Hund. Unser Part ist aber immer ähnlich: Wir brauchen viel Liebe, Intuition, Reflexion, Kenntnis, Neugier und die Bereitschaft, die Verantwortung für die Qualität des Zusammenseins zu übernehmen.

Samstag, 6. Dezember 2014

Adventsfreude


Der Frischling wird dieses Jahr erstmals seine Lieben beschenken. Mit einem wirklich ganz selbstbemalten, nützlich-nachhaltigen und ästhetisch zumutbaren Kindergeschenk, welches dann noch kulinarisch ergänzt wird.


Erstmals seit Jahren beginnt die Adventszeit für mich wieder zu glitzern. Dem Frischling all die Besonderheiten dieser Zeit nahezubringen und zu sehen, wie in ihm dieses Weihnachtszeit-Flämmchen zu glühen beginnt, das ist einfach wunderbar.


(Für D. und H. fällt jetzt halt die Überraschung ins Wasser. Das tut mir leid. Aber dieser Post musste einfach sein. Mein Hirn bringt im Moment für diesen Ort hier einfach nichts Komplexeres zustande.)

Sonntag, 23. November 2014

Die spinnen, die Römer!


Dieses erste Verarbeiten von Wolle ist nur ein kleiner Testlauf einer winzigen Menge (ca. eine Einkaufs-Papiertüte). Ich wollte einfach endlich wissen, was es da alles zu tun gibt, wie es sich anfühlt, und was da so dabei herauskommt, wenn ich mich auf dieses Material einlasse.

Das Sortieren der verschmutzen Wolle war nicht ganz einfach. Was geht noch? Was gehört weggeworfen? Ich habe wohl eher ein bisschen zu gründlich vorsortiert, das anschliessende Waschen und Kämmen beseitigt noch Heu und Gras und löst auch kleinere Verklebungen. In Zukunft werde ich aber direkt beim Scheren die richtig stark verschmutzten Stellen, sprich Kot im Fell, bereits grosszügig aussortieren. Dies wäre überhaupt nicht eklig, Monate später wird es das aber.

Dann wird die Wolle in sehr warmem Wasser mit etwas Spülmittel und Waschsoda zwei- bis dreimal für rund 20 min. gewaschen (eingelegt) und anschliessend mit mehreren Gängen klarem warmen Wasser gespült. Zum Schluss wird geschleudert, tatsächlich. Allein Temperaturschwankungen des Wassers und Kneten der Wolle sollte man unterlassen. Das anschliessende Trocknen dauert jetzt im geheizten Haus nicht lange.

Danach folgt das Kardieren der Rohwolle. Da es mir an Handkarden mangelt, habe ich fürs erste zwei grosse Hundebürsten mit Metallstiften gekauft. Die sind den Handkarden ziemlich ähnlich, günstig und reichen für meine Testzwecke allemal. Und wenn man bedenkt, dass früher für diese Arbeit echte Karden (Pflanzen) benützt wurden, ist ja bereits so eine Hundebürste ein High-Tech-Gerät. Kardieren ist eine ziemlich langwierige, aber schöne Tätigkeit. Perfekt geeignet für einen langen Novemberabend, flankiert von Tee und Hörbuch. Durchs Kardieren entstehen diese herrlich fluffig-leichten Wollwölckchen, wie man sie fürs Filzen oder andere Bastelarbeiten kaufen kann.

Die kardierte Rohwolle kann nun nass- oder nadelgefilzt oder versponnen werden. Da ich zufälligerweise im Besitz einer Handspindel bin, habe ich mich im Spinnen versucht. Der Einstieg ist eine ziemliche Herausforderung, aber schnell lernen die Finger das Material kennen, die Bewegungen werden runder, die Entspannung während der Arbeit setzt ein. Noch immer bin ich sehr langsam, aber was sich da so langsam auf der Spindel aufwickelt, freut mich sehr. Ein ziemlich dünner, einigermassen regelmässiger Faden wird lang und länger.

Anschliessend wird noch das Verzwirnen folgen. Der Faden ist ja erst gedreht, steht also unter Spannung, erst mit sich selbst oder einem zweiten Exemplar verzwirnt, entspannt er sich. Man muss also zwei Meter Wolle spinnen, um am Schluss einen Meter Wollgarn zu erhalten.

Und dann kann man endlich zu stricken beginnen.

Mein erstes Fazit:
Die Arbeit ist keine Hexerei, jedoch sehr zeitaufwändig. Sie muss um ihrer selbst willen gemacht werden, dann ist sie wunderbar.

Auf jeden Fall hat es eine ganz neue Qualität bekommen, den Schafen beim täglichen Besuch das Fell zu kraulen. Dass aus ihren Kutten auf ganz archaische Art und Weise, ohne Strom (ausser in meinem Fall fürs warme Wasser und den Schleudergang) und kompliziertes Gerät ein langer, reissfester, tatsächlich weiter zu verarbeitender Faden entstehen kann, rührt mich eigenartig an. Es ist gut, dass diese drei Schafe hier mit uns leben. Holz und Heu einzulagern, Obst zu dörren und einzukochen, das Feuer zu hüten und Wolle zu spinnen; in diesen einfachen und uralten Tätigkeiten liegen für mich ungeahnte Freude und ein grosses Glück.

Mittwoch, 19. November 2014

haarige Zeiten


Es ist wohl eine Form von Sturheit, vielleicht sogar eine winzige Rebellion, Verweigerung gar. Trotz aller Pläne, Verpflichtungen und anstehender Herausforderungen dieses Projekt zu starten, grenzt an Wahnsinn. Und macht wohl genau deshalb so schampar viel Spass.



Ich freue mich über jeden Kommentar.
Weil dann Statistik-Zahlen zu Menschen werden.
Dank dir.