Dienstag, 9. Februar 2016

Leitwölfe {Alpha}


zu "Alpha": Diese Rubrik dreht sich im weitesten Sinne um das, was man "Kindererziehung" nennt. Ich versuche, dabei jeweils einen Bezug herzustellen zwischen meinen Erlebnissen mit Tieren (besonders mit dem Hund) und meinen Erfahrungen als Mutter. Weder möchte ich Kinder auf die Stufe von Hunden, noch Hunde auf die Stufe von Kindern stellen. Keinesfalls sollten Kinder wie Hunde dressiert werden. Vielleicht sollte man aber auch Hunde nicht wie Hunde dressieren. Doch das ist wieder ein anderes Thema... 

Aus aktuellem Anlass ist mal wieder Zeit für ein Alpha-Post. Jesper Juul hat diese Tage sein neues Buch mit dem Titel "Leitwölfe" veröffentlicht. Es soll sich um ein Plädoyer für mehr Führungsqualitäten von Eltern handeln. Vorweg: Ich habe das Buch nicht gelesen, ich weiss nicht, was Juul aus dem Titel macht. Ich nehme jedoch nicht an, dass er unter die Wolfsforscher gegangen ist.

Der Vergleich von Eltern mit Wölfen ist mir aber lieb und vertraut. Schon lange übe ich meine Rolle als Alpha, als Elterntier. (In Wolfsrudeln sind die Alphatiere nicht brutale, machthungrige Regenten, sondern schlicht die Eltern der andern Tiere.) Nicht zuletzt haben diese Parallelen (und Unterschiede) dieser Alpha-Reihe ja ihren Namen gegeben.

Jan Fennell hat spannende Bücher über das Verstehen von Hunden veröffentlicht. Unter dem Begriff "Amichien Bonding" beschreibt sie anschaulich, welchen Platz wir unsern Hunden zuweisen sollten. Ein Hund, der sich als Alpha-Hund, als Leittier seines Rudels versteht, hat ein anstrengendes Leben: Ständig muss er Entscheidungen treffen. Wohin führt er das Rudel? Was steht auf dem Tagesprogramm? Nähert sich Gefahr? Sind alle satt? Es ist nicht einfach, für ein Rudel verantwortlich zu sein. Viel angenehmer ist es für einen Hund, wenn er ein geliebtes, aber rangniederes Tier des Rudels sein darf. Schwierige Entscheidungen wie "Flucht?", "Kampf?" etc. werden ihm von den Alpahtieren (den Eltern!) abgenommen. Er kann sich an ihnen orientieren und sich komplett entspannen, da er nicht für wichtig Entscheide verantwortlich ist.

Nun passiert es aber laut Fennell oft, dass Hunden tagtäglich unzählige Male unbeabsichtigt vermittelt wird, dass sie die Rolle des Alphatieres innehaben: Wenn sie sich an die Tür stellen, gehts auf ne Hunderunde, wenn sie den Ball bringen, spielt der Mensch mit ihnen etc. (das Alphatier bestimmt den Tagesrhythmus), sie werden gefüttert, bevor die Menschen essen (das Alphatier frisst wann immer möglich genügend, damit es bei Kräften bleibt), sie werden bei jedem Wiedersehen überschwänglich begrüsst (im Wolfsrudel begrüssen die Kleinen die heimkehrenden Eltern voller Freude, nicht umgekehrt.), man zirkelt um sie rum, wenn sie so gemütlich im Flur auf dem Sonnenfleck liegen (das Alphatier geht seinen Weg, anpassen müssen sich die andern), sie stürmen als erstes aus dem Haus um Besucher zu begrüssen oder den Postboten zu verjagen (das Alphatier sichert den Familienplatz ab und entscheidet, ob sich Freund oder Feind nähert), der Hund liegt auf dem Sofa (die guten Plätze mit Aussicht müssen dem Alpha gehören, damit er die Umgebung im Auge behalten kann). Die Aufzählung liesse sich noch weiter fortführen.

Wenn Hunde nun aber über weite Strecken als Alphas behandelt werden, müssen sie Alphas sein, ob sie wollen oder nicht. So haben dann diese unfreiwillig zu Alphatieren "ernannten" Hunde eine unangenehme Aufgabe gefasst, welche zu erfüllen sie nicht imstande sind. Die Folge: Gestresste Tiere, welche mit der Situation heillos überfordert sind. Sie können zu nervösen Kläffern werden, welche alles und jeden verbellen, sie haben Mühe, tief und entspannt zu schlafen, sie sind unter Strom, wenn sich Rudelmitglieder aus ihrem Wirkungskreis entfernen, weil sie sie dann nicht "beschützen" können und vieles mehr.

Die "Therapie" ist (theoretisch jedenfalls) einfach: Der Mensch verlässt als erster das Haus. Der Mensch nimmt sich seinen Raum, der Hund passt sich an ("Aus dem Weg bitte.", "Weg hier, ich möchte hier sitzen."). Der Hund liegt nicht erhöht. Anmerkung: Nicht jeder Hund benötigt die gleiche Menge "Hinweise". Viele Hunde bleiben absolut liebenswürdig, auch wenn man ihnen beispielsweise ein Plätzchen auf dem Sofa zugesteht. Durch diese und weitere kleine Massnahmen wird dem Hund jedoch täglich klargemacht, dass sein Platz weit unten im Rudel ist, und so kann er sich entspannen. Es ist ein menschlicher Irrtum zu meinen, dass es nicht schön sei, ein rangniederes Tier des Rudels sein zu dürfen. Das oft  im Zusammenhang mit Hunden gehörte "Er muss wissen, wer der Meister ist", wird mit solchen Massnahmen artgerecht und liebevoll vermittelt. Es hat nichts zu tun mit brutalem "auf den Rücken legen", schlagen oder anderer grober Behandlung, welche oft als Nachtrag zu diesem Satz genannt werden.

Und was lernen wir daraus für unsere Menschenwelpen? Anders als Hunde streben wir ja bei ihnen langfristig grösstmögliche Selbständigkeit, also Alphaqualitäten an. Sie "klein zu halten" kann nicht im elterlichen Sinn sein. Ich für meinen Teil kann aber doch einiges adaptieren. Zum Beispiel, dass kleine Kinder nicht allzuviele Entscheidungen treffen sollten. Weil sie das einfach überfordert. Sie können noch nicht alle Eventualitäten ihres Handelns abschätzen, ihnen die Führung des Rudels anzuvertrauen wäre für alle Beteiligten eine Katastrophe.

So kann man beispielsweise fragen: "Willst du warme oder kalte Milch über deine Frühstücksflocken?" Wenn das Kind dann meint, es möchte lieber Stullen, ist das auch ok. Es hat ohne Auswahlstress seine Vorliebe gespürt, welche zudem adäquat ist. Es wird aber schwierig, wenn ich frage, ob es Müesli (Haferflocken, Dinkelpops oder Apfel-Zimt-Knuspermüesli), Brot (mit Konfitüre, Honig oder Käse) oder ein Ei (Rührei, Spiegelei) haben möchte. Ich versuche, keine Fragen zu stellen, welche keine sind: "So, der Hund sollte raus. Gehen wir los? Kommst du bitte?" Vielmehr ist der nächste Programmpunkt klar: "In 10 min gehen wir mit dem Hund raus. Beende bitte langsam dein Spiel." Das Kind darf entscheiden, ob es sein Laufrad mitnimmt oder zu Fuss kommt, was dann auch die Route ergibt (Asphaltstrasse oder Waldweg). Zähne werden geputzt, die Zahnpasta darf das Kind auswählen. Vorausschauend versuche ich, dem Kind gut zu treffende Auswahlmöglichkeiten zu geben, mit welchen ich, egal wie die Wahl ausfällt, gut leben kann.

Als Leitwölfin und Mutter bin ich verantwortlich dafür, das Leben für mein Rudel angenehm und unkompliziert zu gestalten, damit sich alle wohlfühlen können.

Zum Schluss ein schönes Zitat (gefunden hier):
Die Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins. (Marie von Ebner-Eschenbach)

*Das Bild stammt übrigens aus alten Tagen. Als die Schöne noch bei uns lebte und weit und breit - von Besuchskindern abgesehen -  noch keine kleinen Menschen meine Leitwolf-Kompetenzen täglich überprüften und einem Intensivtraining unterzogen.




Dienstag, 2. Februar 2016

{Stolperstein}: Vom Begrüssen


Die Frau geht vor meinem Kind in die Hocke. Freundlich lächelt sie es an.

"Grüezi Frischling (sie nennt ihn natürlich bei seinem richtigen Namen). Ich heisse Ursi. Schön, dass wir uns endlich kennenlernen. Deine Mama und ich kennen uns nämlich schon sehr lange. Früher haben wir gemeinsam ... ."

Danach richtet sie sich wieder auf, und wir plaudern einige Minuten miteinander, bevor wir uns verabschieden und alle wieder unserer Wege gehen.

______________

Diese kleine, schlichte Begrüssungsszene hallt sehr lange bei mir nach.

Beschämt stellte ich fest, dass ich mich fremden Kindern nie auf diese Art und Weise vorgestellt habe. Ich selbst war ein schüchternes Kind, und ich möchte nicht von einem fremden Kind verlangen, dass es mir die Hand geben oder sich vorstellen müsste. Dieses "Wie heisst du denn?", möglicherweise noch gefolgt von einem mehr oder weniger ehrlichen "Das ist aber ein schöner Name.", war mir schon immer unsympathisch. Deshalb hielt ich es meistens so, dass ich Kinder eher mit einem allgemeinen Winken in die Runde und einem diffusen "Hallo" begrüsse und mich dann ins Gespräch mit der erwachsenen Begleitperson vertiefe. Auf die Idee, dass ich mich den Kindern vorstellen könnte (sofern ich nicht ausdrücklich mit ihnen zu tun habe), bin ich nie gekommen.

Es hat mich sehr berührt, wie konzentriert sich diese Frau auf mein Kind eingestellt, und wie elegant und feinfühlig sie dem Kind Raum gelassen und es nicht in die "schüchterne Ecke" gedrängt hat. Gegenseitiges Vorstellen und die Verbindung kurz und einfach erklären ist ja unter Erwachsenen gang und gäbe. Bei Kindern scheinbar nicht, sonst wäre mir dieser besondere Moment nicht so aufgefallen. Ich spreche immer wieder von Gleichwürdigkeit, hier und da und überall im Erziehungskontext, und schaffe es nicht einmal, eine ritualisierte und einfache Szene wie eine Begrüssung entsprechend zu gestalten.

Wie macht ihr das so?

Danke liebe Ursi für den Stolperstein und Augenöffner!

Dienstag, 26. Januar 2016

Gedankenknospen


Dort, an der windgeschützten Stelle, wo die Sonne die Steinmauer bereits etwas aufgewärmt hat, ist es angenehm warm. Eine Mutter stillt ihr Baby, der Hund hat sich ebenfalls bei ihr niedergelassen und döst. Die Frau hat zudem nebenbei ein Auge auf die etwas grösseren Kinder, welche unter dem Haselstrauch mit kleinen Zweigen, Zapfen und Steinen ein Zwergendorf aufbauen. Die drei grossen Schulmädchen füttern derweil die Hühner und versuchen, der zahmen Henne ein Kunststück beizubringen.

Die Sonne brennt auf die Gartenbeete, wo zwei Frauen die Erde auf eine neue Saat vorbereiten. Sie wechseln dann und wann einige Worte, tauschen sich aus über dies und das. Währenddessen gehen die Männer mit Schaufeln und Hacken ans Werk, die Fläche für die neue grosse Feuerstelle will ausgeebnet werden. Ein Mann trägt sein schlafendes Enkelkind in der Traghilfe und bereitet für alle den Zvieri vor.

Wer arbeiten möchte, arbeitet. Wer sich zurückziehen will, geniesst ganz für sich allein eine stille Ecke des Gartens.

Gegen Abend wird der neue Feuerplatz eingeweiht. Heisse Kartoffeln aus der Glut, etwas Käse, Brot, Wasser und Wein. Während die Grossen über Bohnensorten, neue Apps, die Lage in Nahost und das perfekte Anti-Mücken-Mittel fachsimpeln, geniessen die Kleinsten die freundliche, gemütliche Atmosphäre und knüpfen mutig Kontakte. Die grossen Mädchen erzählen den kleineren Kindern auf dem Gartensofa, in warme Decken gehüllt, Geschichten von verzauberten Prinzen und Prinzessinnen. 

Klingt doch wunderbar, oder nicht? Ein Traum? Ein unerfüllbarer Traum? Zuviel Bullerbü, Lönneberga und Villa Kunterbunt in einem?

Wir haben Platz genug, wo dieses Lebensgefühl Gestalt annehmen könnte. Ob es noch andere gibt, welche Lust auf eine Realisierung haben? Gibt es hier in der Nähe Menschen, die nicht in "mein", "dein", in Franken und Mann-/Fraustunden rechnen? Die Kinderbetreuung mit Saatgut mit einer warmen Mahlzeit mit nicht mehr benötigter Kinderkleidung "bezahlen" möchten? Die an den Wert von Freundschaft glauben? Die ihre Kinder am liebsten Kinder sein lassen?

Wir haben mit unserem "Stall" die letzten Jahre erlebt, dass die Menschen gerne bei uns einkehren und ihre Freizeit bei uns verbringen. Vielleicht ist jetzt die Zeit gekommen, in der das gemeinsame Tun Einzug hält in unserem Leben.

Obwohl es noch weit ist bis zum Blühen und Wachsen, in meinem Kopf und Herzen spriessen Bilder und Ideen. Ob aus diesen zarten Knospen einst prachtvolle Blumen werden, weiss ich nicht.

Was meinst du? Würdest du dir einen Strauss pflücken wollen von diesen Pflänzchen?

Donnerstag, 21. Januar 2016

Die Fischerin vom Bodensee



Zum Glück hat der Winter so lange auf sich warten lassen.
Jetzt passt alles zusammen.

Anleitung: Fisherman Pullover von Veera Välimäki
Wolle: Bingo von Lanagrossa (100% Schurwolle)



Sonntag, 17. Januar 2016

Eulenglück


Wie erfrischend und beflügelnd ist der Spaziergang durch die zauberhafte Winterlandschaft. Der Hund rennt übermütig um mich herum, der Schnee stiebt trocken unter meinen Füssen, die Sonne lässt mich blinzeln. Stille. Ein Gefühl von Neuanfang.

Ich geniesse jede Minute in vollen Zügen. Bald ist dieses Winterwetter wieder Vergangenheit. Ist es nicht phantastisch, in einer Klimazone zu leben, welche uns vier Jahreszeiten beschert?

Ich erfreue mich an der winterlichen Kälte und Klarheit. Später dann lasse ich mich begeistern vom Frühling mit dem Ruf des Kuckucks, dem munteren Gurgeln des Baches hinterm Haus und den Düften nach Erde und spriessendem Gras. Im Sommer dann liebe ich die langen trägen Tage, das Barfusslaufen, den Geruch von Minze und die kühlen, geselligen Abendstunden. Der Herbst schliesslich ist ganz "meine" Jahreszeit. Das melancholische Abschiednehmen, welches sich in der Natur zeigt, Tom Waits, Rilke, Tee und die ersten Nebel verbünden sich mit meiner inneren Gestimmtheit.

So schnell die Schönheiten jeder Jahreszeit einander abwechseln, so schnell sind auch die mühsamen Aspekte immer gleich wieder vorbei. Die unfreundliche Kälte im Winter, wenn man frühmorgens das Haus verlassen muss, der Matsch im Frühling, die Hitze im Sommer, die ersten Halsschmerzen im Herbst, alles dauert nie so lange an, als dass man sich ernsthaft darüber ärgern könnte.


Mir fällt eines unserer Bilderbücher ein: Eulenglück* von Celestino Piatti. Zwei Eulen werden von der Hühnerschar um das Geheimnis ihrer Zufriedenheit gefragt. Die Antwort wird aber vom hedonistischen Hühnervolk nicht verstanden. Ich habe die Geschichte schon unzählige Male erzählt, aber noch nie habe ich sie so tief empfunden wie heute.

Im Moment gelingt es mir gut, eine Eule zu sein.


*Es handelt sich hierbei nicht um Werbung. Ich schreibe aus freien Stücken von meinen Gedanken und Erlebnissen. Dass ich dabei dann und wann etwas erwähne, was käuflich ist, lässt sich nicht vermeiden.

Samstag, 16. Januar 2016

Das Messer


Seit Weihnachten ist der Frischling ein Messerträger. Uns gefällt das schlichte Modell mit nur einer Klinge, welche sich mit einem Sicherheits-Drehring fixieren lässt. Das ist gut verständlich für ein detail- und routineverliebtes Kind (Drehring öffnen, Klinge aufklappen, Drehring schliessen. Kontrollieren. Dann Drehring öffnen, Klinge einklappen, Drehring schliessen. Kontrollieren. Und so weiter, und so fort). Mit seinen noch nicht einmal vier Jahren kann man ihn für zu jung halten, mit einem solchen Werkzeug umzugehen. Kann man. Wir nicht.

Wichtig ist es, dass Kinder und Erwachsene die neun Schnitzregeln kennen und anwenden. Der Junge kennt sie, trotzdem darf er aber nicht ohne unser Beisein schnitzen, und das wird wahrscheinlich auch noch ziemlich lange so bleiben. Auch in der Waldspielgruppe durfte er es nur geschlossen herzeigen, obwohl es dort ältere Kinder gibt, die bereits selbständig schnitzen. Dass seine dortige Bezugsperson ihm dann mit seinem eigenen Messer einen Drachen aus dem Zvieri-Würstchen geschnitten hat, war sein grosses Nachmittags-Highlight.


Hier sind sie also, die neun Schnitzregeln (dass es neun sind, als fehlte bereits der eine Finger für den "runden Zehner", finde ich sehr lustig):

1. Wer schnitzt, die sitzt.
2. Ich schnitze vom Körper weg.
3. Wer schnitzt, braucht eine Armlänge Abstand.
4. Schnitze nur mit scharfer Klinge.
5. Immer nur ein Werkzeug auf einmal aufklappen.
6. Wer sein Messer nicht braucht, packt es ein.
7. Ich gebe mein Taschenmesser nur geschlossen weiter.
8. Wir ritzen keine lebende Bäume.
9. Das Taschenmesser ist keine Waffe.


Dies und anderes Wissenswertes rund ums Schnitzen findet sich auf der Website von Schnitzpapst Felix Immler. Hier lang. Den Comic mit den Schnitzregeln gibts hier.

Und wie haltet ihr es mit Messern, Scheren, Bohrmaschinen und anderem Werkzeug für eure Kinder?

(Jajaja, Bild 3 entspricht nicht Regel 3. War aber richtig und wichtig so beim ersten Schnitzversuch.)



Dienstag, 12. Januar 2016

12 von 12

Einmal habe ich bisher rechtzeitig daran gedacht, mitzutun bei den 12 von 12. Dass es heute wieder einmal soweit ist, entspringt nicht einem Neujahrsvorsatz, sondern schlicht meiner aktuellen Merkfähigkeit. So dürft ihr mich heute also begleiten.

Der heutige Plan: Morgens arbeite ich für die Schule. Ich muss zwingend zwei Berichte fertigschreiben und den morgigen Tag vorbereiten. Derweil vergnügen sich die Kinder mit dem Gefährten, bewegen sich und den Hund und zaubern ein leckeres Mittagessen auf den Tisch. Am Nachmittag fährt dann der Gefährte zur Arbeit, und ich bringe den Jungen für zwei Stunden in die Waldspielgruppe, geniesse das Mädchen und widme mich ein bisschen dem Haushalt. Abendessen wieder gemeinsam, anschliessend normaler Abendwahnsinn.

Die Realität sind aber mal wieder ganz anders aus:

Vor sechs werden alle wach: leichter Pseudo-Krupp-Anfall des Frischlings. Frischling beruhigen, Mädchen stillen. Er steht mit mir auf, das Mädchen und der kranke Gefährte schlafen nochmals ein.

Ich kann ein bisschen arbeiten. Aber bald setzt sich der Junge zu mir und deckt mich ungefragt mit morgendlichen Alltagsphilosophien ein. An ein Weiterschreiben ist nicht zu denken. Ich überlasse ihm den Elektrokram.

 1. Frühstück um 07.00 mit dem Frischling, 2. Frühstück um 09.30 mit der Zaunkönigin.

Damit der fiebernde Gefährte noch ein bisschen schlafen kann, mache ich mit den Kindern einen Ausflug zum Drogeriemarkt.

Verlegenheitszmittag. Da bei uns ja der Gefährte kocht, heute dazu aber nicht in der Lage ist, muss ich mein Glück versuchen. Es gibt improvisierte Pizza. Sie schmeckt scheusslich.

 Auf zur Waldspielgruppe!

Während der Frischling mit seinen Kameradinnen und Kameraden durch den Wald tobt, darf ich ganz kurzfristig die Zaunkönigin und den Hund meinen Eltern anvertrauen. So kann ich wenigstens die Berichte fertig schreiben.

 An den Tieren geht das nasskalte Wetter auch nicht spurlos vorbei. Miese Laune überall.

 Beim Einsammeln der Familie werde ich dafür mit einem imposanten Weitblick beschenkt.

Imposant auch des Frischlings ganzer Stolz: Ein echtes Schnitzmesser! Seit Weihnachten in Hosentaschen oder zur Not direkt in den Strumpfhosen getragen, ist er seit gestern stolzer Besitzer eines massgeschneiderten und handgenähten Lederholsters. Danke lieber Neni!

Die Kinder schlafen früh ein, der Junge kränkelt jedoch und wacht immer wieder auf. Während ich die beiden Kinder in den Schlaf begleite, überlege ich mir, was ich morgen in der Schule genau zu tun gedenke.

Anschliessend räume ich noch ein bisschen auf, kontrolliere den Hühnerschieber, lege Holz nach, drucke Arbeitsblätter aus und notiere mir, was ich morgen keinesfalls vergessen darf. Und schliesslich schreibe ich noch diesen Post. Und jetzt: Gute Nacht.

Ich freue mich über jeden Kommentar.
Weil dann Statistik-Zahlen zu Menschen werden.
Dank dir.