Samstag, 16. Januar 2016
Das Messer
Seit Weihnachten ist der Frischling ein Messerträger. Uns gefällt das schlichte Modell mit nur einer Klinge, welche sich mit einem Sicherheits-Drehring fixieren lässt. Das ist gut verständlich für ein detail- und routineverliebtes Kind (Drehring öffnen, Klinge aufklappen, Drehring schliessen. Kontrollieren. Dann Drehring öffnen, Klinge einklappen, Drehring schliessen. Kontrollieren. Und so weiter, und so fort). Mit seinen noch nicht einmal vier Jahren kann man ihn für zu jung halten, mit einem solchen Werkzeug umzugehen. Kann man. Wir nicht.
Wichtig ist es, dass Kinder und Erwachsene die neun Schnitzregeln kennen und anwenden. Der Junge kennt sie, trotzdem darf er aber nicht ohne unser Beisein schnitzen, und das wird wahrscheinlich auch noch ziemlich lange so bleiben. Auch in der Waldspielgruppe durfte er es nur geschlossen herzeigen, obwohl es dort ältere Kinder gibt, die bereits selbständig schnitzen. Dass seine dortige Bezugsperson ihm dann mit seinem eigenen Messer einen Drachen aus dem Zvieri-Würstchen geschnitten hat, war sein grosses Nachmittags-Highlight.
Hier sind sie also, die neun Schnitzregeln (dass es neun sind, als fehlte bereits der eine Finger für den "runden Zehner", finde ich sehr lustig):
1. Wer schnitzt, die sitzt.
2. Ich schnitze vom Körper weg.
3. Wer schnitzt, braucht eine Armlänge Abstand.
4. Schnitze nur mit scharfer Klinge.
5. Immer nur ein Werkzeug auf einmal aufklappen.
6. Wer sein Messer nicht braucht, packt es ein.
7. Ich gebe mein Taschenmesser nur geschlossen weiter.
8. Wir ritzen keine lebende Bäume.
9. Das Taschenmesser ist keine Waffe.
Dies und anderes Wissenswertes rund ums Schnitzen findet sich auf der Website von Schnitzpapst Felix Immler. Hier lang. Den Comic mit den Schnitzregeln gibts hier.
Und wie haltet ihr es mit Messern, Scheren, Bohrmaschinen und anderem Werkzeug für eure Kinder?
(Jajaja, Bild 3 entspricht nicht Regel 3. War aber richtig und wichtig so beim ersten Schnitzversuch.)
Dienstag, 12. Januar 2016
12 von 12
Einmal habe ich bisher rechtzeitig daran gedacht, mitzutun bei den 12 von 12. Dass es heute wieder einmal soweit ist, entspringt nicht einem Neujahrsvorsatz, sondern schlicht meiner aktuellen Merkfähigkeit. So dürft ihr mich heute also begleiten.
Der heutige Plan: Morgens arbeite ich für die Schule. Ich muss zwingend zwei Berichte fertigschreiben und den morgigen Tag vorbereiten. Derweil vergnügen sich die Kinder mit dem Gefährten, bewegen sich und den Hund und zaubern ein leckeres Mittagessen auf den Tisch. Am Nachmittag fährt dann der Gefährte zur Arbeit, und ich bringe den Jungen für zwei Stunden in die Waldspielgruppe, geniesse das Mädchen und widme mich ein bisschen dem Haushalt. Abendessen wieder gemeinsam, anschliessend normaler Abendwahnsinn.
Die Realität sind aber mal wieder ganz anders aus:
Vor sechs werden alle wach: leichter Pseudo-Krupp-Anfall des Frischlings. Frischling beruhigen, Mädchen stillen. Er steht mit mir auf, das Mädchen und der kranke Gefährte schlafen nochmals ein.
Ich kann ein bisschen arbeiten. Aber bald setzt sich der Junge zu mir und deckt mich ungefragt mit morgendlichen Alltagsphilosophien ein. An ein Weiterschreiben ist nicht zu denken. Ich überlasse ihm den Elektrokram.
1. Frühstück um 07.00 mit dem Frischling, 2. Frühstück um 09.30 mit der Zaunkönigin.
Damit der fiebernde Gefährte noch ein bisschen schlafen kann, mache ich mit den Kindern einen Ausflug zum Drogeriemarkt.
Verlegenheitszmittag. Da bei uns ja der Gefährte kocht, heute dazu aber nicht in der Lage ist, muss ich mein Glück versuchen. Es gibt improvisierte Pizza. Sie schmeckt scheusslich.
Auf zur Waldspielgruppe!
Während der Frischling mit seinen Kameradinnen und Kameraden durch den Wald tobt, darf ich ganz kurzfristig die Zaunkönigin und den Hund meinen Eltern anvertrauen. So kann ich wenigstens die Berichte fertig schreiben.
An den Tieren geht das nasskalte Wetter auch nicht spurlos vorbei. Miese Laune überall.
Beim Einsammeln der Familie werde ich dafür mit einem imposanten Weitblick beschenkt.
Imposant auch des Frischlings ganzer Stolz: Ein echtes Schnitzmesser! Seit Weihnachten in Hosentaschen oder zur Not direkt in den Strumpfhosen getragen, ist er seit gestern stolzer Besitzer eines massgeschneiderten und handgenähten Lederholsters. Danke lieber Neni!
Die Kinder schlafen früh ein, der Junge kränkelt jedoch und wacht immer wieder auf. Während ich die beiden Kinder in den Schlaf begleite, überlege ich mir, was ich morgen in der Schule genau zu tun gedenke.
Anschliessend räume ich noch ein bisschen auf, kontrolliere den Hühnerschieber, lege Holz nach, drucke Arbeitsblätter aus und notiere mir, was ich morgen keinesfalls vergessen darf. Und schliesslich schreibe ich noch diesen Post. Und jetzt: Gute Nacht.
Der heutige Plan: Morgens arbeite ich für die Schule. Ich muss zwingend zwei Berichte fertigschreiben und den morgigen Tag vorbereiten. Derweil vergnügen sich die Kinder mit dem Gefährten, bewegen sich und den Hund und zaubern ein leckeres Mittagessen auf den Tisch. Am Nachmittag fährt dann der Gefährte zur Arbeit, und ich bringe den Jungen für zwei Stunden in die Waldspielgruppe, geniesse das Mädchen und widme mich ein bisschen dem Haushalt. Abendessen wieder gemeinsam, anschliessend normaler Abendwahnsinn.
Die Realität sind aber mal wieder ganz anders aus:
Vor sechs werden alle wach: leichter Pseudo-Krupp-Anfall des Frischlings. Frischling beruhigen, Mädchen stillen. Er steht mit mir auf, das Mädchen und der kranke Gefährte schlafen nochmals ein.
Ich kann ein bisschen arbeiten. Aber bald setzt sich der Junge zu mir und deckt mich ungefragt mit morgendlichen Alltagsphilosophien ein. An ein Weiterschreiben ist nicht zu denken. Ich überlasse ihm den Elektrokram.
1. Frühstück um 07.00 mit dem Frischling, 2. Frühstück um 09.30 mit der Zaunkönigin.
Damit der fiebernde Gefährte noch ein bisschen schlafen kann, mache ich mit den Kindern einen Ausflug zum Drogeriemarkt.
Verlegenheitszmittag. Da bei uns ja der Gefährte kocht, heute dazu aber nicht in der Lage ist, muss ich mein Glück versuchen. Es gibt improvisierte Pizza. Sie schmeckt scheusslich.
Auf zur Waldspielgruppe!
Während der Frischling mit seinen Kameradinnen und Kameraden durch den Wald tobt, darf ich ganz kurzfristig die Zaunkönigin und den Hund meinen Eltern anvertrauen. So kann ich wenigstens die Berichte fertig schreiben.
An den Tieren geht das nasskalte Wetter auch nicht spurlos vorbei. Miese Laune überall.
Beim Einsammeln der Familie werde ich dafür mit einem imposanten Weitblick beschenkt.
Imposant auch des Frischlings ganzer Stolz: Ein echtes Schnitzmesser! Seit Weihnachten in Hosentaschen oder zur Not direkt in den Strumpfhosen getragen, ist er seit gestern stolzer Besitzer eines massgeschneiderten und handgenähten Lederholsters. Danke lieber Neni!
Die Kinder schlafen früh ein, der Junge kränkelt jedoch und wacht immer wieder auf. Während ich die beiden Kinder in den Schlaf begleite, überlege ich mir, was ich morgen in der Schule genau zu tun gedenke.
Anschliessend räume ich noch ein bisschen auf, kontrolliere den Hühnerschieber, lege Holz nach, drucke Arbeitsblätter aus und notiere mir, was ich morgen keinesfalls vergessen darf. Und schliesslich schreibe ich noch diesen Post. Und jetzt: Gute Nacht.
Dienstag, 29. Dezember 2015
Altes Jahr
Du hast mich vielleicht gerade deshalb einiges gelehrt. Auch hast du den Weg bereitet für Neuerungen. Dafür bin ich dir dankbar. Aber jetzt darfst du gerne gehen. Adieu.
Ich freue mich auf ein frisches, junges, energiegeladenes 2016.
* Den alten Hund würde ich hingegen um keinen Preis gegen ein junges Exemplar eintauschen wollen. Er ist mir lieb und vertraut, mit jedem Tag mehr.
Dienstag, 22. Dezember 2015
Am Küchenfenster
Die Tage wie immer.
Familie, Haushalt, bezahlte Arbeit.
In der Vertrautheit finden sich Langeweile und dann und wann Öde. Immer wieder aber auch neue Ansichten, Erkenntnisse und Ausblicke.
Das Gleiche verändert sich.
Oder ich mich.
Habt es fein.
Freitag, 27. November 2015
Teebeutelweisheit
Der kinderfreie Nachmittag ist kein freier Nachmittag. Einkauf, Holzlieferung, anschliessendes Versorgen der Tiere und dann bereits wieder Abholen der Trabanten stehen auf dem Programm.
Der Traktor fährt pünktlich vor, jedes Holzstück wird vom Anhänger durch die Scheune getragen und durch die Bodenluke hinters Haus geworfen, wo der Eingang zum Heizungskeller liegt. Dort wird jedes Stück auf eine alte, hölzerne Schubkarre gestapelt und in den Heizungsraum gekarrt, noch einmal ausgekippt und zu hohen Beigen aufgeschichtet. Wie ich also so im Heizungsraum stehe und staple, was mein Vater und mein Schwager da ankarren, spüre ich, wie ich angespannt bin. Immer ist meine Zeit so verplant, es bleibt mir wieder einmal kein Moment, mich aufs Sofa zurückzuziehen, ein bisschen durchs Netz zu surfen oder gemütlich mit einer Freundin zu telefonieren. Ganz zu schweigen von all dem, was auch noch zu tun wäre und wieder mal auf der Strecke bleibt: Schulzeug sortieren, Haushalt erledigen, Pendenzenlisten abarbeiten. Habe ich denn kein Recht auf ein bisschen Freizeit?
Und dann werde ich beschenkt. Ich vergesse, was ich wollte, sollte, könnte, müsste. Ich staple Holz.
Jedes einzigartige Scheit dieser vier Ster(!) wandert durch meine Hände. Ich staple Holz.
Hinter mir knistert das angefachte Feuer im Feuerraum. Ich staple Holz.
Die Wärme strahlt durch die offene Luke. Ich staple Holz.
Der Geruch vom Rauch durchzieht den Raum. Ich staple Holz.
Meine Muskeln erwärmen sich vom vielen Bücken. Ich staple Holz.
Ich spüre da und dort ein angenehmes Ziehen. Ich staple Holz.
Nachdem die Arbeit erledigt ist, geniessen wir heissen Tee und Schokoladenkuchen (gekauften natürlich, sonst würde es ja noch kitschig ob so viel Landlust-Romantik).
Danach schaue ich bei den Tieren vorbei, es reicht sogar noch für eine kleine Streichelei durch warmwolliges Fell.
Und bald darauf wackeln wir zu dritt durch die Nacht dem Daheim entgegen, welches uns freundlich entgegenleuchtet, die Zaunkönigin weich und warm an meinen Körper geschmiegt, der Frischling mit seiner Glöckchenmütze und dem Laternchen wie ein kleiner Zwerg neben mir hertrabend.
Frei sein, frei haben, Freizeit haben. Oft eine Kopfsache.
Während ich diese Zeilen schreibe, brühe ich mir einen Tee auf. Einen Beuteltee jener Sorte, wo die Haltepapierchen kleine Lebensweisheiten verkünden. Diesmal:
Freitag, 20. November 2015
Abschied und Willkommen
Die letzten Herbsttage überraschten noch einmal mit Süsse.
Jetzt bläst der Wind ums Haus, Regen prasselt an die Fenster.
Wir zünden Lichter und Feuer an.
Und sind bereit für den Winter.
Da ich gerade sehr viel lesen, denken, arbeiten, geniessen, zeichnen, spielen, nähen und diskutieren möchte, räume ich meinen Streifzügen durchs Netz weniger Zeit ein. Mehr machen, weniger gucken. Das beglückt mich im Moment sehr. Und bleibt wohl noch ein Weilchen so. Habt es fein.
Mittwoch, 4. November 2015
Hauptsache gesund? {Stolperstein}
„Es ist
gesund!“ flüstert sie, nachdem sie die sehnlichst erwartete Mail ihrer Ärztin
gelesen hat. Die Anspannung der letzten Tage löst sich, einige Freudentränen
kullern. Ich freue
mich mit. Wie schön, dass sie jetzt guter Hoffnung sein darf.
Aber die
Worte, die sie gewählt hat, klingen noch lange nach bei mir. Das Kind hat weder
Trisomie 13, 18 noch 21, soviel ist jetzt sicher. Es wurde aber nicht
untersucht, ob es mit einer anderen genetisch bedingten Krankheit oder
Besonderheit leben wird. Noch weniger sicher ist, ob dieser (vermutlich)
gesunde Embryo dereinst auch ein gesundes Baby sein wird. Es liegen noch einige
Monate Schwangerschaft vor Mutter und Kind, sensible Entwicklungsschritte
stehen bevor. Auch während der Geburt können dem Kind irrepareable Schäden
zugefügt werden. Und dann fängt das Leben mit all seinen Gefahren erst an. Unfälle und Erkrankungen können das Kind und seine
individuellen Bedürfnisse stark verändern. Es ist nicht eine Besonderheit, wenn
einem Kind früher oder später etwas Derartiges widerfährt, vielmehr ist es aussergewöhnlich,
wenn es ohne „Schreckmomente“ durch die Kindheit kommt. Zum Glück laufen die
meisten Unfälle und Erkrankungen (hier bei uns wenigstens mit unseren
medizinischen Standards) glimpflich ab. Das Kind wird sowenig gesund bleiben,
wie wir selbst es sind. Wir alle haben körperliche Schwachstellen, die einen
sind nur schwach ausgeprägt und problemlos in den Alltag integrierbar, andere
von grösserem Ausmass, welche mehr Aufmerksamkeit, vielleicht sogar
Einschränkung bedeuten.
Das
„gesunde Kind“, ja der „gesunde Mensch“ ist ein unerreichbares Ideal. Und immer
wieder irritert es mich, wie die verschiedenen Formen und Ausprägungen von
Normabweichungen gewichtet werden. Vielen Eltern erscheint es undenkbar, ein
Kind mit einer geistigen Beeinträchtigung zu begleiten. Ob sie die Kraft für
die Betreuung eines Diabetiker-Kindes, eines blinden Kindes oder eines mit
schwerer Neurodermitis haben, stellen sie sich nicht (weil sie gar nicht danach "gefragt" werden).
Immer
wieder beobachte ich, dass werdende Eltern Sicherheit wollen, wo es keine
Sicherheit gibt. Sätze wie „Ein behindertes Kind kommt für uns nicht in Frage“ oder
„Wir haben ein Recht zu entscheiden, ob wir ein behindertes Kind wollen“ irritieren
mich sehr. Dieses Denken kann man sich während der Schwangerschaft noch leisten.
Danach greift diese Einstellung nicht mehr. Schliesslich gibt es keinen
mitgelieferten Garantieschein, mit welchem man das „erworbene Produkt“, sollte
es „Mängel“ aufweisen, retournieren oder austauschen könnte.
Ich weiss
nicht, welches (Vor-)Wissen sinnvoll ist und welches nicht. Es gibt gute
Gründe, genauer überprüfen zu wollen oder zu müssen, wer da vielleicht unterwegs ist zu einem, so wie es auch gute Gründe gibt, genau das nicht wissen zu wollen. Nur etwas ist meiner Meinung nach tatsächlich falsch: das Überprüfen
ganz weniger Besonderheiten mit dem Aufdecken aller überraschenden
Möglichkeiten zu verwechseln.
Kinder sind
immer ganz anders, als wir es uns in unseren kühnsten Träumen ausgemalt hatten.
Manchmal etwas mehr, manchmal etwas weniger.
Ein Post
über so ein komplexes Thema kann nie allen Eventualitäten und Einwänden gerecht
werden. Das Thema liegt mir aber aus verschiedenen Gründen sehr am Herzen,
deshalb wage ich die Veröffentlichung dieser Gedanken.
Folgende
Blogs lese ich sehr gerne. Sie überraschen mich immer wieder mit Posts, welche mich
sehr berühren und meine eigenen eingefahrenen Gedanken in Schwung bringen:
kaiserinnenreich
(zum Einstieg z.B. hier oder hier)
Das Rotkehlchen hat auch etwas verwechselt. Nämlich sein eigenes Spiegelbild mit einem Konkurrenten. Während zwei Tagen flog es seine Angriffe auf die Scheibe unseres Wohnzimmerfensters. Die Spuren zeigen (das Bild ist nur ein kleiner Ausschnitt des ganzen Fensters) das Ausmass seiner Fehleinschätzung: hunderte kleine Abdrücke seines wohl leicht fettigen Schnabels oder seiner Krallen.
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Weil dann Statistik-Zahlen zu Menschen werden.
Dank dir.

























